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SKANDAL BAUBEHÖRDEN-VERKAUF

Herr Beust, was wird da gemauschelt?

Die Baubehörde soll zum Schnäppchenpreis von 46,9 Millionen Euro an die Hamburger "Garbe Group" gehen. Aber was ist sie genau wert? Verschenkt der Senat mehrere Millionen Euro? Das sind die Fragen, die Hamburg diese Woche beschäftigen wird. Nachdem die MOPO am Sonnabend den anrüchigen Deal zwischen Finanzbehörde und Garbe aufgedeckt hatte, ging der Senat gestern weiter auf Tauchstation. Weder Finanzsenator Michael Freytag (CDU) noch Bürgermeister Ole von Beust wollten sich zu dem Immobilien-Deal äußern. Hier die wichtigsten Fragen zur Baubehörden-Affäre.



- Warum soll die Baubehörde überhaupt verkauft werden?



Die Behörde soll bis zum Jahr 2012 im Rahmen des "Sprungs über die Elbe" nach Wilhelmsburg ziehen.



- Welche Bedeutung hat die Immobilie zwischen Großen Bleichen und Neuem Wall?



Es ist das letzte große Filetstück im City-Bereich, das Investoren in Hamburg entwickeln und umbauen können.



- Wer hat außer Garbe noch Interesse an dem Areal?



Fast alle namhaften europäischen Immobilien-Investoren kommen als Käufer in Frage. Sascha Lewin, Europa-Chef des bedeutenden Londoner Investmenthauses "Stenham", das die Mehrheit am "Bleichenhof" hinter der Baubehörde besitzt, zur MOPO: "46,9 Millionen Euro sind absurd niedrig." Realistisch seien jedoch mindestens 15 Millionen Euro mehr, so der Immobilienexperte. Bei Bauprojekten rund um die Hohen Bleichen werden aktuell 1600 Euro pro Quadratmeter "Bruttogeschossfläche" (BGF) bezahlt. Gut 45000 BGF kann ein Investor in der Baubehörde entwickeln. Demnach wäre der riesige Gebäude-Komplex sogar gut 72 Millionen Euro wert.



- Warum wird das Projekt Baubehörde dann nicht europaweit ausgeschrieben?



Weil Garbe die Wirtschaftsförderungskarte spielt. Er verspricht, seinen Firmensitz vom Valentinskamp an die Stadthausbrücke zu verlegen und dort bis 2014 mindestens 205 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Bei einem Wirtschaftsförderungsfall kann der Senat von einer öffentlichen Ausschreibung absehen.



- Sind Garbes Argumente glaubhaft?



Nein. Garbe ist ein mittelständischer Betrieb, der höchstens 160 Mitarbeiter hat. Dass er die Stellenzahl mehr als verdoppelt, ist mehr als unwahrscheinlich. Im Übrigen ist Wirtschaftsförderung für Firmen gedacht, die nach Hamburg ziehen. Ein Umzug von 500 Metern vom Valentinskamp, dem aktuellen Sitz der Garbe Group, zur Stadthausbrücke fällt nicht darunter.



- Ist es glaubhaft, wenn Bausenator Axel Gedaschko (CDU) sagt, er habe von nichts gewusst?



Nein, mindestens sein Oberbaudirektor Walter muss beteiligt gewesen sein.



- Wie geht es weiter?



Am Donnerstag entscheidet die "Kommission für Bodenordnung", ob das Grundstück, wie von der Finanzbehörde gewollt, an die Garbe Group geht.



Ole von Beust wollte sich gegenüber der MOPO nicht äußern. Auch der für den Immobilien-Deal zuständige Finanzsenator Michael Freytag geht auf Tauchstation.

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Datum:  11.2.2008
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