Der Zorn schlägt hohe Wellen. Fassungslosigkeit herrscht beim HSV vor – die Entscheidungsträger sind stinkesauer, dass der DFB Urs Siegenthaler die Pistole auf die Brust setzte. Der Schweizer löste seinen HSV-Vertrag am Donnerstag auf, um weiter als Chef-Scout des DFB arbeiten zu können (MOPO berichtete).
"Urs wurde gezwungen, sich zu entscheiden – wir sind die Leidtragenden", sagt Sportchef Bastian Reinhardt. "Wir wollten seine hohe Kompetenz nutzen, das ist nun zerstört worden."
Plötzlich, aber bestimmt hatte sich die Verbandsspitze gegen Siegenthalers Doppel-Engagement bei HSV und DFB ausgesprochen. Der Grund: Hamburg könne von den umfangreichen Informationen des 62-Jährigen profitieren und der Konkurrenz unlauter voraus sein – dabei stimmten vor Monaten noch alle zu.
Auch Armin Veh zeigt sich enttäuscht. "Auch das ist mal wieder unverständlich", sagt der Trainer, der vor allem den von Siegenthaler angedachten Jugendkonzepten nachtrauert: "Für den Nachwuchsbereich ist es schwierig. Es geht ja darum, künftig junge Spieler herauszubringen – da wäre er unheimlich wertvoll gewesen. Das Thema war für mich gar nicht da. Und plötzlich sagt der DFB, dass es so nicht geht." Verständnis für Siegenthalers Entschluss bringen alle auf.
Dennoch, der Blick muss nach vorn gehen. Wie verteilt der HSV Siegenthalers Aufgaben? Paul Meier, den er mitbrachte, soll gemeinsam mit Stephan Hildebrandt die Verantwortung für den Jugendbereich übernehmen. Um Scouting und Spielanalyse kümmert sich Christopher Clemens. Der 38 Jahre alte Bochumer arbeitete bis zuletzt unter Siegenthaler beim DFB, fängt am 1. September beim HSV an. Der "Mini-Sigi" ist eine Art Abschiedsgeschenk des Schweizers, bildete den Kompromiss für Siegenthalers Freigabe für den DFB. Ob weitere Kräfte kommen, ist noch offen.