Es will einfach kein Ende nehmen. Ständige Verzögerungen, mehr als 4400 (!) Baumängel, schon 323 Millionen Euro Gesamtkosten – das Theater um die Elbphilharmonie wird immer abstruser. Nur wenige profitieren von dem Schlamassel: die Architekten. Wie der Senat jetzt zugeben muss, wurde deren Honorar noch einmal fast verdoppelt – auf satte 58 Millionen Euro!
Das bringt eine Anfrage der SPD ans Licht, die der MOPO vorliegt. Bislang war noch von 31 Millionen die Rede. Der Grund für das höhere Gehalt: Die Architektenbüros „Herzog & de Meuron“ (Schweiz) und „Höhler & Partner“ werden nicht nur für die Baupläne bezahlt, sondern sind auch an der Ausführung beteiligt. Von einem Gemeinschaftsbüro am Kaiserkai begleiten sie den Bau, zeigen Mängel auf. Laut Vertrag steigt dabei ihr Honorar mit den Baukosten – deshalb muss die Stadt den Planern nun noch einmal 27 Millionen Euro nachzahlen.
Für die Opposition hat sich die Stadt über den Tisch ziehen lassen. „Die Architekten haben kein Interesse an niedrigen Baukosten, wenn sie von einer exorbitant teuren Elbphilharmonie selbst profitieren“, sagt Martina Koeppen (SPD). „Auch hier war der Senat völlig naiv, hat sich nicht abgesichert und so zur Melkkuh gemacht.“
Das will die verantwortliche Kulturbehörde so nicht gelten lassen. „Die Generalplaner des Projekts müssen angemessen entlohnt werden“, sagt Behördensprecher Karl-Olaf Petters. „Kaum ein Architekt wird einen Vertrag unterschreiben, bei dem er für mehr Arbeit nicht auch mehr Lohn bekommt.“ Die höheren Honorare seien in den 323 Millionen Euro Gesamtkosten für die Elbphilharmonie bereits einkalkuliert, betont die Kulturbehörde.
Zweifel sind allerdings angebracht – die Architekten könnten noch einmal mehr Geld bekommen. Denn: Laut SPD sind in den 58 Millionen nicht einmal die Mitarbeiterkosten der Architekten einkalkuliert, die ebenfalls die Stadt tragen soll. Unklar ist, ob außerdem noch 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden. Und: Es ist von einer neuen Vereinbarung über weitere 20 Millionen Euro für die Abnahme des fertigen Baus die Rede.
Koeppen: „Zur Eröffnung werden die Architekten mindestens 80 Millionen Euro kassiert haben – so viel, wie die gesamte Elbphilharmonie ursprünglich kosten sollte.“Christoph Heinemann