Oh, lá, lá. Was wohl der Professor dazu sagt? Mineralogie-Studentin Jeannine Wilkerling (28) ist Deutschlands Nummer eins im Stangen-Tanz! Auf Platz zwei: Taxifahrerin Cindy Jechow (29). Den dritten Award sicherte sich Arzthelferin Melanie Mosler (30).
Wippende Silikonbrüste, nackte Tatsachen und Table-Strip - nein, darum ging es Freitagabend ausnahmsweise mal nicht im "Dollhouse". An der Großen Freiheit wurde die Deutsche "Pole Dance"-Meisterschaft ausgetragen. Die elf Teilnehmerinnen traten in knappen Fantasiekostümen an, Drag-Queen Olivia Jones witzelte im Publikum: "Hätte ich das gewusst, wäre ich im Badeanzug gekommen." Die internationale Jury - smarte Profi-Tänzer und erfahrene Show-Girls reiferen Semesters.
Veranstalterin Kristine Svendsen (24): "Meine Eltern waren geschockt, als sie hörten, was ich hier auf die Beine stellen will. Mutti ist aber hier, ich will sie überzeugen, dass es echter Sport ist." Tanzen an der Stange, das verbindet man mit Rotlicht und Schmuddel. Dabei ist es in Amerika ein Fitness-Trend. Um die Meisterschaft mit Freundin Sabrina Pankow (29) zu organisieren, gründeten sie die Firma "Pole Art". Und Svendsen kündigte ihren Job als Verwaltungsangestellte bei der evangelischen Kirche. Halleluja!
Schnell noch ein Stoßgebet, dann ging's auch schon los. Discobeats ließen den Raum erzittern. Mal sang Michael Jackson "Thriller", mal Kylie Minouge "Oh, baby, come into my world". Dazu wickelten sich Mädchen aus Berlin, München, Nürnberg um die glänzende Metallstange wie ein Faden ums Jo-Jo. Berufs-Stripperin Heidi Oderso (26) trug schwarze Flügel, stöckelte auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen und erntete als Lokalpatriotin den meisten Applaus. Am Ende reichte es für sie nur zum ersten Platz in Sachen "Entertainment".
Der wohl älteste Gast im Publikum: Seniorin Margret Nau (71): "Ich hatte von dieser Sache hier gehört, wusste nicht, was ,Pole Dance' ist. Ich bin angenehm überrascht. Das sieht doch alles ganz nett aus, was die Mädels da machen." Kurzes Lachen. "Aber für mich wäre das wohl nichts mehr. Ich tanze lieber Walzer."
Kandidatin Nataya Nobel (20) erklärte: "Fünf Minuten an der Stange sind so anstrengend wie ein Fünf-Kilometer-Lauf." Einen guten Run hatte die bayrische Arzthelferin Melanie Mosler (31). Die Blondine mit dem kecken Kurzhaarschnitt bog sich wie eine Zirkusartistin in schwindelerregender Höhe, spreizte die Beine unter der Dollhouse-Decke zum Spagat und landete so auf dem dritten Platz.
Einen Tick besser, laut Punktrichter-Team: Cindy Jechow aus Berlin. "Bis zu drei Monaten habe ich auch an der Stange gestrippt und so mein Geld verdient", so die 29-Jährige zur MOPO am Sonntag. "Aber nackte Brüste zeigen war nicht so mein Ding. Deshalb fahre ich jetzt Taxi."
Jeannine Wilkerling hatte gleich ihre halbe Uni aus Erlangen mitgebracht. Ihre Kommilitonen trugen Fan-Shirts am Leib und Jeannine später auf Händen. Zum dritten Mal in Folge sicherte sich die Mineralogie-Studentin den Titel als beste Frau an der Stange. Ihre Engelsnummer studierte sie im heimischen Wohnzimmer tagtäglich seit einem halben Jahr. Auf die Frage, ob sie eine Stange zu Hause stehen habe, guckte sie kurz irritiert und sagte dann: "Das hat doch jede Frau hier."
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?