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SEXUELLER KINDESMISSBRAUCH

Pornos für die Schüler

Der Skandal um den Missbrauch von Schülern an Gymnasien des Jesuiten-Ordens weitet sich immer mehr aus. Nun gibt es einen zweiten Fall aus Hamburg. Und wieder ist es ein ehemaliger Lehrer der Sankt-Ansgar-Schule in Borgfelde! Die besondere Brisanz: Es ist Bernhard E. (70), der Gründer der Hilfsorganisation "Ärzte für die Dritte Welt".



Drei ehemalige Schützlinge Bernhard E.s aus Hannover, wo er in den 70er Jahren als Jugendseelsorger tätig war, haben den Stein ins Rollen gebracht. Sie wandten sich an den Jesuiten-Orden und meldeten die sexuellen Übergriffe E.s an ihrer Person. Mit den Vorwürfen konfrontiert, gab der Priester die Taten zu und erstattete Anzeige gegen sich selbst.



Offenbar war das aber noch längst nicht alles. "Ich gehe davon aus, dass E. auch in Hamburg sein Unwesen getrieben hat", sagte Friedrich Stolze, Schulleiter am St. Ansgar.



Erst gestern sei die E-Mail eines ehemaligen Schülers eingegangen, die E.s Machenschaften als geistlicher Leiter der Jugendarbeitsgruppen an der Schule beschreibt. Als solcher führte Bernhard E. in den Jahren 1981 bis 1983, in denen er an der Schule war, nicht nur vertrauliche Gespräche mit den Jugendlichen, sondern begleitete sie auch zu Zeltlagern.



Von "Züchtigungsspielchen" ist in der E-Mail die Rede. Der Schüler habe vor der ganzen Klasse seinen Hintern entblößen müssen und sei geschlagen worden. Außerdem habe E. den Jungen Bilder aus Pornomagazinen gezeigt.



Der zweite Skandal nach dem Fall Wolfgang St. (65) sorgt am St. Ansgar nun für Verunsicherung. Direktor Stolze nutzte den Festgottesdienst anlässlich des gestrigen Namenstages der Schule, um das Thema vor 700 Schülern anzusprechen. "Wir sind alle erschüttert und haben tiefes Mitgefühl mit den Opfern", sagte Stolze, entschuldigte sich für die Vorgänge und bat darum, das Vertrauen in die Einrichtung nicht zu verlieren.



Bernhard E., der Anfang der 70er Jahre auch am Berliner Canisius Kolleg tätig war, an dem die ersten Missbrauchsfälle bekannt geworden waren, ist vom Provinzial der Deutschen Jesuiten, Stefan Dartmann, mit sofortiger Wirkung vom priesterlichen Dienst suspendiert worden. Auch die "Ärzte für die Dritte Welt" zwangen E. zum Rücktritt vom Vorstand und schlossen ihn aus dem Verein aus.



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Datum:  4.2.2010
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