Es sind die erniedrigendsten Straftaten, die man sich vorstellen kann: Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Kinderpornografie. Allein im Vorjahr wurden laut Kriminalstatistik 1633 Hamburger Opfer von Sexualdelikten. Eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Andreas Dressel bringt jetzt ans Licht, in welchen Stadtteilen Sextäter besonders häufig zuschlagen - und wo man sich noch sicher fühlen kann.
Dressel: "Es gibt keine Entwarnung. Die Zahl der Sexualdelikte hat 2005 zwar leicht abgenommen, sie liegt aber immer noch höher als bei der rot-grünen Schlussbilanz 2001." Gefährlichstes Pflaster ist nach wie vor St. Pauli, wo voriges Jahr 79 Fälle registriert wurden - elf mehr als 2004. Knapp dahinter rangieren Billstedt (64 Fälle), St. Georg (53), Altona-Altstadt und Ohlsdorf (jeweils 40) sowie Bergedorf (39). Überraschend: Selbst im noblen Winterhude schlugen Sextäter 38 Mal zu. Übel auch die Bilanz in Dulsberg, wo 36 Fälle erfasst wurden - gegenüber 2004 eine Zunahme um 350 Prozent. Erfreulich: In 13 Stadtteilen, darunter auf der Insel Neuwerk, ist die Welt noch in Ordnung. Dort wurden 2005 keine Sextaten bekannt.
Dramatisch dagegen: Rund die Hälfte der Opfer von Sextaten sind Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. So finden sich unter den 170 männlichen Opfern 92 Kinder unter 14 Jahren - satte 54 Prozent. Bei den 1463 weiblichen Opfern liegt der Anteil der Kinder bei rund 25 Prozent.
Dressel befürchtet, dass viele Delikte gar nicht angezeigt werden: "Gerade bei Sextaten, die sich im Familienkreis abspielen, könnte der Deckmantel des Schweigens eine Rolle spielen." Dabei sind gerade die traumatisierten Gewaltopfer auf Hilfe angewiesen. Die gibt es etwa im UKE, das am Institut für Rechtsmedizin eine spezielle Untersuchungsstelle betreibt. Institutsleiter Professor Klaus Püschel: "Bei einem Vergewaltigungsopfer muss man vor allem an Infektionsprophylaxe, etwa gegen Hepatitis, denken."