Jetzt wird es schmutzig. Im Sex-Skandal um DFB-Oberschiedsrichter Manfred Amerell kommen neue, brisante Details ans Licht. Ursprünglich war dem 62-Jährigen vorgeworfen worden, Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter (27) sexuell belästigt zu haben. Gestern gab der DFB bekannt, dass sich diese Vorwürfe bekräftigt hätten. Amerell hingegen verteidigte sich in einer Stellungnahme gegen den Verdacht. Jeglicher Kontakt zu Kempter sei auf freiwilliger Basis erfolgt. Zum Beweis veröffentlichte Amerell eine SMS, die Kempter ihm am 13. Januar geschickt haben soll (siehe Info). Gleichzeitig trat Amerell von allen Ämtern beim DFB und dem Süddeutschen Fußball-Verband zurück.
In dem zweiseitigen Schreiben deutet Amerell mehrfach an, dass es zwischen ihm und Kempter tatsächlich sexuellen Kontakt gegeben hat. "Aus den zunächst rein sportlichen Kontakten entwickelte sich im Laufe der Zeit eine intensive private Freundschaft", räumte der Oberschiedsrichter ein. Dieser Kontakt allerdings sei einvernehmlich gewesen. "Zwischen uns gewechselte E-Mails und SMS-Kurzmitteilungen belegen, dass Kempter aus eigenem Antrieb die Nähe zu mir gesucht hat." Die Vorwürfe der Nötigung und Belästigung seien "haltlos, unerklärlich und nicht nachvollziehbar".
Allerdings räumte Amerell ein, dass dieser Kontakt zu Kempter nicht angemessen war. "Es war sicherlich ein Fehler, die Freundschaft zu Michael Kempter so eng werden zu lassen wie geschehen. Die Beziehung war jedoch rein privat, persönlich und völlig unabhängig von meinem Amt im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss. Ich bin enttäuscht, dass meine Privatangelegenheiten in völlig falschen und diskreditierenden Zusammenhängen an die Öffentlichkeit getragen werden."
Der DFB hingegen bestätigte gestern Hinweise, welche den Verdacht untermauern, Amerell habe Kempter tatsächlich gegen seinen Willen sexuell belästigt. In einer Stellungnahme zum Rücktritt Amerells heißt es: "Wir halten diesen Schritt für richtig und notwendig, weil Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen. Ob die von Herrn Amerell über seinen Anwalt verbreiteten Äußerungen unter diesen Umständen klug waren, möchten wir unkommentiert lassen." Nach Medienberichten haben weitere Schiedsrichter Amerell in ähnlicher Weise belastet. Die Ermittlungen sollen in Kürze abgeschlossen werden. Nach Amerells Vorstoß droht die Angelegenheit zur Schlammschlacht zu werden, bei der am Ende alle Seiten als Verlierer dastehen.