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Die Tina-Turner-Story

Superstar Tina Turner: Kaum zu glauben, wie viel Power die Sängerin mit der unbeschreiblichen Rock-Röhre noch immer hat! Mit fast 70 Jahren steht sie jetzt wieder in sexy Klamotten auf jener Bühne, von der sich die Pop-Queen eigentlich vor acht Jahren für immer verabschiedet hatte. Ihr mittlerweile drittes Comeback übertrifft in Deutschland alle Erwartungen: 16 Konzerte in sechs Städten - alle seit Monaten ausverkauft. Zum bombastischen Auf-takt in Köln kamen an vier aufeinanderfolgenden Abenden jeweils 15 000 Fans. In Hamburg strömen an drei Tagen (heute, morgen und am Dienstag) Zehntausende zu den Shows in die Color Line Arena. Die MOPO erzählt die Story der grandiosen Soul-Diva, die einfach die Beste ist.



Knapp 300 Menschen leben in Nutbush. Das verschlafene Nest im US-Bundesstaat Tennessee, in dem es außer einer Baumwollfabrik nichts weiter gibt, verdankt seine weltweite Bekanntheit einem glücklichen Zufall: Es ist die Heimat von Tina Turner, die der kleinen Gemeinde 1973 mit dem Mega-Hit "Nutbush City Limits" ein Denkmal setzte.



Dabei kommt der Star am 26. November 1939 gar nicht in Nutbush, sondern im nahen Brownsville zur Welt. Statt Tina steht Anna Mae Bullock als Name auf der Geburtsurkunde. Weil sich die Eltern trennen, wächst das Kind bei ihrer Oma Roxanne in Nutbush auf.



Die Kleine entdeckt dort schnell ihr Talent. "Ich begann zu singen und zu tanzen, überall, wo ich konnte und durfte: auf Picknicks, im Kirchenchor, in der Schule und bei den Gartenpartys der Nachbarn", erinnert sich der Star. Und Anna will nur eins: Sängerin werden. So zieht sie als junge Frau nach St. Louis, wo sie an Wochenenden in Bars auftritt.



1956 wird Annas Schicksalsjahr: Platten-Produzent Ike Turner, der mit B. B. King zusammenarbeitet, will in St. Louis seine eigene Blues-Band aufbauen und nimmt die scheue Bar-Sängerin in den Back- ground-Chor auf. Als er erste Aufnahmen an die Plattenfirma schickt, reagieren die Bosse sauer. "Ich war überrascht, als mir Ike erzählte, dass die Firma keinen Sänger, sondern mich hören wollte, sonst gäbe es keinen Vertrag", erinnert sich Tina Turner. "Immer wieder sagte Ike zu mir: ,Sie wollen dich.'"



Annas Weg zum Ruhm: Sie wird einen hohen Preis zahlen. Vergleichsweise harmlos ist noch, dass Ike nun Annas Namen in Tina ändert, weil sich unter dem Band-Namen "Ike & Tina Turner" angeblich Konzerte und Platten besser verkaufen lassen. Doch als Ike und Tina 1958 heiraten, beginnt für die Sängerin die Hölle.



Musikalisch läuft anfangs noch alles prima. Während Ike lässig Gitarre spielt, stürzt Tina im Glitzer-Mini-Kleid auf die Bühne, schwingt wild ihre Hüften und bringt mit Hits wie "A Fool In Love" und drastischen Zeilen ("Ich brauche jemand, der mich ständig befriedigt") die Nachtclubs zum Kochen. Allerdings bleiben die Plattenerfolge in den USA aus. In England dagegen landet das Duo mit dem Bombast-Song "River Deep -- Mountain High" (1966) einen Riesen-Hit. Doch erst als die Rolling Stones 1969 auf ihrer US-Tour "Ike & Tina Turner" ins Vorprogramm nehmen und Mick Jagger beginnt, Tinas Hüftschwünge zu kopieren, hat das Duo auch in den USA Erfolg.



Auf der Bühne kommt der Ruhm, doch hinter den Kulissen spielen sich brutale Szenen zwischen den Eheleuten Turner ab. Ike, der sich stets mit Kokain aufputscht, betrügt Tina mit anderen Frauen, und hält sie zugleich wie eine Gefangene. Und als wären das nicht schon genug Demütigungen, verprügelt er Tina. Wie brutal sie misshandelt wurde, enthüllt die Sängerin erst 1986 in ihrem Buch "Ich, Tina". Ike schlägt seine Frau nicht nur mit den Fäusten, auch mit Schuhen und Kleiderbügeln. Am Ende will sich Tina umbringen.



1976 entkommt der Star der Ehe-Hölle: Nach einer weiteren Prügel-Attacke in einem Hotel in Dallas flüchtet Tina mit blutverschmiertem Kleid, zugeschwollenem Gesicht und mit nur 36 Cent in der Tasche vor ihrem brutalen Mann.



Doch der Horror von "16 Jahren Leibeigenschaft" (Tina) ist nicht zu Ende. Ike droht den gemeinsamen vier Kindern, er werde ihre Mutter töten, wenn sie nicht zurückkomme. Brandanschläge auf das Haus in Los Angeles, wo Tina Schutz vor Ike sucht, folgen. Die Sängerin geht daraufhin nicht mehr ohne Leibwächter und einem Revolver auf die Straße. Als Ike 2007 im Alter von 76 Jahren an einer Überdosis Kokain stirbt, weint Tina ihm keine Träne nach.



1978 wird die Ehe geschieden. Das Aus bringt Tina den finanziellen und auch den künstlerischen Absturz. Ohne Ike will sie keiner haben. Tina verliert in den USA den Plattenvertrag. Nur die EMI in Europa hält zu ihr. Ihre erste Solo-LP "Rough" (1978) ist ein Flop.



Die abgestürzte Pop-Queen, die nun allein für ihre vier Kinder sorgen muss, steht Ende der 70er Jahre mit einer halben Million Dollar Schulden da, lebt von der Sozialhilfe. Ihr bleiben nur Auftritte in schäbigen Clubs. Ein erfolgreicher Neuanfang für Tina Turner scheint unerreichbar fern.



- Morgen lesen Sie: Tina Turner: Das große Comeback einer gefallenen Pop-Queen

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Datum:  30.1.2009
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