Öffentliche Toiletten im alten Rom hatten bis zu 40 Sitze - dort konnte jeder ohne Wartezeit seine Notdurft verrichten. Da hat man es in Hamburg schwerer. Nicht nur, dass niemand mehr in Gesellschaft aufs Klo möchte - nein, es gibt einfach zu wenig öffentliche WCs. Das hat jetzt der Senat festgestellt und die Stadtentwicklungsbehörde beauftragt, eine "Bedarfsanalyse" zu diesem "anrüchigen" Problem anzufertigen.
Bei der Behörde gab man sich gestern einsilbig. Sprecher Björn Marzahn sagte nur: "Der Bedarf an zusätzlichen öffentlichen Toiletten ist da. Wie viele nötig sind und wo diese hinkommen, werden wir mit den Bezirken abstimmen." Doch nach MOPO-Informationen gibt es bereits eine sehr konkrete Prioritätenliste. Die geplanten Standorte sind der Elbwanderweg, der Fischmarkt, die Große Elbstraße, die Reeperbahn, der Spielbudenplatz, die Außenalster und die HafenCity. Aktuell gibt es in Hamburg 172 öffentliche Toiletten. 73 davon sind für Behinderte geeignet. Ziel ist es, auf mehr als 200 öffentliche Toiletten zu kommen. Um das zu erreichen, werden sich nun Vertreter von einem Dutzend Organisationen treffen: von der Alstertouristik über die Bahn und die Sprinkenhof AG bis zur Port Authority und dem Senatsbeauftragten für behinderte Menschen. Um welche Toilettenkonzepte es sich bei den neuen Anlagen handelt, ist noch nicht entschieden. Denkbar wäre, einen Großauftrag an den Aufsteller von Automatik-Toiletten zu vergeben.
Doch auch das erfolgreiche Konzept der "Kiosk-WC-Kombination" soll weiterverfolgt werden. Hierbei werden meist verfallene öffentliche Toiletten-Häuser aus den 20er Jahren an Gastronomen übergeben. Diese müssen ein öffentliches WC betreiben und können im Gegenzug in den Gebäuden ein Lokal eröffnen. Bekanntestes Beispiel ist die "Alsterperle" an der Schönen Aussicht (Uhlenhorst). Der Laden brummt, am Donnerstag, dem heißesten Tag des Jahres, wurden hier mehr als 1000 Gäste gezählt.
Walter Ente (66) ist Klomann im öffentlichen WC im Hamburger Hauptbahnhof. Rechts die Automatik-Toilette auf dem Jungfernstieg. Ein Großteil der neuen Anlagen dürfte von diesem Typ sein.