Die Gastmitgliedschaft des designierten Bürgermeisters Christoph Ahlhaus (CDU) in einer schlagenden Verbindung wird zur mittleren Koalitionskrise. Den Grünen reicht es nicht, dass der Noch-Innensenator die „Turnerschaft Ghibellinia Heidelberg“ gebeten hat, ihn aus den Listen zu streichen (MOPO berichtete). Sie fordern eine Distanzierung. Das geht Ahlhaus zu weit.
„Wir erwarten da mehr“, sagt GAL-Chefin Katharina Fegebank. Ahlhaus’ Problem: Derartige Verbindungen, in denen gefochten wird und Frauen ausgeschlossen sind, präsentieren so ziemlich alles, was die Grünen verabscheuen. „Dort werden hierarchische Strukturen, ein völlig schiefes Frauenbild und überkommene Traditionen gepflegt“, so Fegebank. Die politische Bandbreite reiche „von konservativ bis rechter Rand, die Übergänge sind da fließend“. Ahlhaus solle darstellen, „wie er sich dort engagiert hat und wie er sich davon distanziert“.
Ahlhaus' Kontakt zu der Turnerschaft stammt aus seiner Zeit als Heidelberger CDU-Ortschef. Auf der Suche nach Unterstützern hat er vor zehn Jahre mit den Ghibellinen einige Male ein Bier getrunken und sie auch politisch unterstützt. Er wurde assoziiertes Mitglied, seitdem habe es aber keinen Kontakt mehr gegeben, so Ahlhaus.
Von Distanzierung will er daher nach MOPO-Informationen nichts wissen. Er sei nie aktiv gewesen und habe nicht gefochten. Zudem machen die Ghibellinen nichts Verbotenes, so die Begründung.
Der Streit offenbart einen Kulturkonflikt: Für CDUler ist es gerade in katholischen Studentenstädten wie Heidelberg relativ normal, in einer Verbindung zu sein.
Den Grünen sind die konservativen Seilschaften dagegen völlig fremd. Dazu sind die Ghibellinen Mitglied in der Dachorganisation „Coburger Convent“. Die bezichtigten Grüne erst im Mai, sich aufgrund von nächtlichen Fackelmärschen mit Deutschlandliedgesängen „bewusst in eine Nähe zur chauvinistischen und nationalistischen Vergangenheit zu begeben“.
Entscheidend dürfte jetzt der 18. August werden. Da wird Ahlhaus den GALiern auf einem Parteitag Rede und Antwort stehen. „Dann wird es zu einer Entscheidung über Abbruch oder Fortführung der Koalition kommen. Das ist in keiner Weise klar“, droht Fegebank.
In Heidelberg scheint man dagegen wenig begeistert zu sein, dass Ahlhaus mit seinen alten Freunden nichts mehr zu tun haben will. „Kein Kommentar“, heißt es zu der Angelegenheit im Verbindungshaus.