Der designierte Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) hebt genervt die Hand vors Gesicht, GAL-Chefin Katharina Fegebank guckt unwirsch Richtung MOPO-Fotograf. Die letzten Tage liefen nicht gut: Volksentscheid, Rücktritte und dann auch noch Ärger um die Heidelberger Verbindungsfreunde von Ahlhaus.
Angeblich ging es bei Pasta und Spargel im „Dolce Vino“ mit CDU-Chef Frank Schira und GAL-Vize Anjes Tjarks nur um ein „Kennenlernen“ und die Marschroute bei den kommenden Krisengesprächen. Aber der Zoff um Ahlhaus’ Heidelberger Fecht-Freunde schwebt derzeit über allem.
Fernsehteams belagern Verbindungshäuser, die Grünen überlegen, Ahlhaus nicht mehr zu wählen.
In konservativen Foren wie bei der „FAZ“ wird derweil über den „rückgratlosen Möchtegernbürgermeister“, der beim „kleinsten Gegenwind umkippt wie ein Stürmer im Strafraum“, gelästert. Während die Grünen fordern, Ahlhaus solle sich von der „Turnerschaft Ghibellinia“ in Heidelberg distanzieren, sorgt sein Austrittsgesuch bei Konservativen für Verärgerung.
Die Dachorganisation „Coburger Convent“ wehrt sich jetzt dagegen, von den Grünen mit rechtsradikalen Chauvinisten gleichgesetzt zu werden, und sieht sich als Spielball von Parteitaktik.
Die scheint auch bei der SPD an oberster Stelle zu stehen: „Distanzieren Sie sich“, sagt Fraktionschef Michael Neumann. „Es mag in Heidelberg zum guten Ton gehören, Burschenschaften zu besuchen. In Hamburg ist das nicht so. Ein Bürgermeister, aber auch ein Innensenator darf sich nicht in der Nähe solch dumpfer und reaktionärer Gruppen bewegen.“
Das könnten zum Bumerang werden. Nicht nur, dass die „Ghibellinia“ keine Burschenschaft ist. „Unter Hamburger SPD-Politikern sind auch schlagende Mitglieder“, sagt ein hochrangiger Verbindungsfunktionär. In der SPD treffen sich die so genannten „Korporierten“ zudem im „Lassalle-Kreis“. „Da sind auch mehrere Hamburger Sozialdemokraten dabei“, so Gründer Alexander Stintzing.
Die meisten Korporierten tummeln sich aber traditionell bei CDU und FDP. Auch bei großen Unternehmen, der Handelskammer, selbst beim HSV sei man vertreten, so der Funktionär. „Wir sitzen an vielen Stellschrauben. Auch Ole von Beust war regelmäßig Gast bei unseren Veranstaltungen.“ Mit dem hatten die Grünen keine Probleme.