Die Kirchengemeinde erfuhr es am Sonntag im Gottesdienst, und es war ein Schock für ganz Geesthacht. Kantor Andreas F. (44) soll eine Konfirmandin sexuell missbraucht haben. Es begann vor einem Jahr, damals war sie 13. Andreas F. ist ein Mann, dem alle vertrauten. Der seit 20 Jahren in der Kirche die Orgel spielt, der mehrere Kinderchöre leitet und Konfirmandenfreizeiten organisiert. Die Kirchenleitung suspendierte ihn nun mit sofortiger Wirkung, die fristlose Kündigung ist in Vorbereitung. F. lebt allein, hat weder Familie noch Kinder.
Die Kripo Geesthacht ermittelt seit dem 6. Februar gegen den Kirchenmusiker. Die Eltern des Mädchens hatten den Kantor wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Er soll das junge Mädchen bis heute mehr als ein Jahr lang immer wieder unsittlich angefasst und bedrängt haben. Zum Geschlechtsverkehr kam es nicht. Die Übergriffe fanden in der Wohnung des Mannes statt. Er gab ihr Einzelunterricht in Musik. Besonders perfide: Andreas F. und die Eltern des Opfers sind befreundet.
Die Kirchengemeinde wurde von F.s Anwalt über die Ermittlungen informiert. Sie suspendierte ihn sofort von seinen Aufgaben. Die Verdachtsmomente sind laut Kirche so schwerwiegend, dass eine Fortsetzung des Dienstes nicht zumutbar gewesen wäre. Man wolle den Ermittlungen der Polizei nicht vorgreifen, aber eine fristlose Kündigung sei dennoch bereits in Vorbereitung.
"Wir sind über die Vorgänge außerordentlich bestürzt und erschüttert", so der Geesthachter Pastor Gunnar Penning. "In dieser Frage darf es keinerlei Nachgiebigkeit geben." Der Kirchenvorstand hat 600 Familien angeschrieben, deren Kinder in der Kita oder später im Konfirmandenalter Kontakt zu Andreas F. hatten. Sie sollen an drei Abenden die Gelegenheit bekommen, sich zu informieren und Fragen zu stellen. "Bisher haben wir noch keine Kenntnis von weiteren Vorfällen", sagt Thomas Kärst, Sprecher der nordelbischen Kirche.
Das schnelle Handeln der Verantwortlichen hat einen Grund. 2002 gab es in einer Kirchen-Kita in Geesthacht sexuelle Übergriffe durch den Sohn einer Erzieherin. Damals wurde nur sehr zögerlich aufgeklärt. Der Pastor musste daraufhin seinen Hut nehmen.
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