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SCHWERE VORWÜRFE GEGEN "MR. WASH"

Ein Euro pro Tag für Drecksarbeit

Sauberes Auto, gute Laune" - mit diesem Slogan wirbt "Mr. Wash". Doch wirklich gute Laune hat bei der Autowaschanlagenkette, die in Hamburg vier Filialen hat, kaum einer. Laut einem Bericht des ZDF-Magazins "Frontal 21" verdient ein Großteil der Mitarbeiter bisweilen nur einen Euro am Tag!



Hintergrund: Die Aushilfskräfte bei "Mr. Wash", die deutschlandweit 50 Prozent der rund tausend Beschäftigten ausmachen, werden nicht nach Arbeitsstunden, sondern pro Auto bezahlt. Für jeden Wagen gibt es zwei Euro - geteilt durch alle, die am Fließband der Waschstraße arbeiten. Da bleibt für den Einzelnen oft nicht mehr als 20 Cent übrig.



Bei der aktuellen Schlechtwetterlage ist die Situation besonders schlimm. "Wir haben 50 bis 60 Prozent weniger Kundschaft als normalerweise", sagt Erkan Gökkyas, stellvertretender Niederlassungsleiter der Filiale an der Stresemannstraße. Mit anderen Worten: Kommt kein Auto, gibt es für die Aushilfskräfte auch kein Geld. Wartezeiten werden nicht entlohnt. In Bahrenfeld werden die ohnehin nur vier Aushilfskräfte allerdings zurzeit seltener eingesetzt als sonst.



Aber auch für die 25 Festangestellten der Filiale ist die Lage alles andere als rosig: Sie erhalten ihren Grundlohn von 900 Euro brutto (das entspricht einem Stundenlohn von sechs Euro) nur, wenn sie auf insgesamt 150 Arbeitsstunden im Monat kommen. Arbeitet jemand weniger, egal aus welchen Gründen, wird ihm der Lohn gekürzt. Und auch das Trinkgeld wird schon mal gestrichen: In einer Filiale in Nürnberg wurden die Mitarbeiter so für Schrammen an Autos oder zerbrochene Spiegel bestraft - obwohl "Mr. Wash" für solche Schäden versichert ist.



Die Gewerkschaft ver.di kritisiert das Lohnsystem bei "Mr. Wash": "Das ist Ausbeutung pur", so Sprecherin Sabine Bauer. Mit sozialer Absicherung habe das nichts zu tun, Arbeitnehmerrechte würden untergraben. "Leider nimmt das immer mehr zu in diesem Land."



"Mr. Wash" weist die Vorwürfe als "verleumderisch" zurück. "Unsere Arbeitsbedingungen halten jeder Prüfung stand", so Geschäftsführer Richard Enning. Der hat gut lachen: Zusammen mit den beiden anderen Firmenchefs kommt er bei einem Jahresumsatz von 205 Millionen Euro auf ein Gehalt von 1,4 Millionen pro Jahr.

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Datum:  14.1.2010
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