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SCHWEINEGRIPPE

Zweitklassige Impfung? Nein danke!

HAMBURG Noch genau eine Woche, dann startet auch in Hamburg die größte Impfkampagne in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland - die gegen die Schweinegrippe.



In drei Stufen werden zunächst medizinisches Personal, dann Risikogruppen und zuletzt der Rest der Bevölkerung gegen das Angst umwobene Virus immunisiert, selbstverständlich freiwillig. Doch kurz bevor die Massen-Pikserei losgeht, wird die ganze Aktion massiv infrage gestellt. Aktueller Anlass: Die Bundesregierung erhält ebenso wie die Soldaten ein anderes Präparat als Otto-Normal-Verbraucher!



"Wir haben 200000 Dosen des nicht-adjuvantierten Impfstoffes Celvapan der Firma Baxter gekauft", bestätigte Christoph Hübner, Sprecher des Bundesinnenministeriums dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".



Nicht-adjuvantiert, das heißt ohne Wirkverstärker. Und genau dieser Aspekt sorgt nun für mächtig Zündstoff. Denn der für die Bevölkerung vorgesehene Impfstoff Pandemrix enthält den Zusatzstoff AS03, der bislang noch nie verwendet wurde.



Er hat deutlich mehr Nebenwirkungen (Rötungen, Schwellungen der Einstichstelle, Fieber) und ist überdies quecksilberhaltig. Aber: Er lässt sich vier Mal so schnell herstellen wie das für die Politiker bestimmte Celvapan, das in einer langwierigeren Produktion aus Hühnereiern hergestellt wird.



In den USA ist Pandemrix nicht zugelassen. Die dortige Arzneizulassungsbehörde schätzt die Gefahr einer abnormen Immunreaktion zu groß ein und setzt auf konventionelle Mittel.



Für den Arzt und Pharmakritiker Wolfgang Becker-Brüser ist die deutsche Kampagne entsprechend ein "Großversuch an der deutschen Bevölkerung". Und der unabhängige Arzneimittelbrief schreibt: "Die neuen Impfstoffe sind potenziell gefährlicher als der saisonale Grippeimpfstoff, da die sonst üblichen Sicherheitsprüfungen übersprungen werden."



Im Übrigen würden die vorliegenden Daten zeigen, "dass die Schweinegrippe deutlich milder verläuft als eine saisonale Influenza". Zum Vergleich: An der Schweinegrippe sind in Deutschland bisher zwei Menschen (die massive Begleiterkrankungen hatten) gestorben. An der normalen Grippe sterben pro Jahr bis zu 11000 Menschen.



Auch für den Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, ist der Nutzen der Impfaktion geringer als die Probleme. "Die Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen, die mit einer vermeintlichen Bedrohung schlichtweg Geld verdienen wollten."



Völlig unklar ist auch, inwieweit die Bevölkerung die für den Einzelnen kostenlose Spritze überhaupt in Anspruch nehmen wird. Schon jetzt zeichnet sich eine klare Impfmüdigkeit ab (siehe rechts). Einer Infratest-dimap-Umfrage zufolge wollen mehr als die Hälfte der Deutschen sich nicht piksen lassen.



Und so könnte es sein, dass die 600 Millionen Euro, die der Staat und die Krankenkassen für die insgesamt 50 Millionen Dosen Pandemrix ausgegeben haben, am Ende in den Sand gesetzt werden. Dann war die Aktion, wie der "Spiegel" schreibt, vor allem eins: "Das, was die Abwrackprämie für die Autoindustrie war" - eine massive Konjunkturspritze für die Pharmamultis.

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Datum:  19.10.2009
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