Eine Seuche verbreitet weltweit Angst und Schrecken: Schweinegrippe. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hatten sich bis gestern 2844 Menschen in Deutschland infiziert. Binnen 24 Stunden hatte sich die Zahl der Erkrankten erneut um knapp 400 erhöht. RKI-Präsident Jörg Hacker erwartet möglicherweise täglich bis zu 600 Neuerkrankungen. Grund dafür: die Urlaubszeit. Vor allem Heimkehrer, die sich in Südeuropa erholt haben, schleppen diese Krankheit ein. Die Mehrzahl der in Deutschland erkrankten – etwa 80 Prozent – hat sich im Ausland infiziert.
Wegen der schnellen Verbreitung des Virus erwartet die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass wohl praktisch jeder Mensch auf der Welt infiziert wird. Bereits jetzt habe der Erreger nahezu die gesamte Welt erreicht. Inzwischen seien 160 der 193 WHO-Mitgliedstaaten von dem Virus A (H1N1) betroffen, „wir nähern uns einer hundertprozentigen Verbreitung“, sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl. Die Zahl der Todesopfer weltweit liege rund vier Monate nach dem ersten Auftreten der Schweinegrippe bei fast 800.
Ein Wettlauf um den knappen Impfstoff hat begonnen. Anders als Deutschland und anders als von der WHO empfohlen haben mehrere Industriestaaten bereits Mittel für ihre gesamte Bevölkerung bestellt. Der so angefachte Wettlauf sei „sehr ungünstig“ und im Kampf gegen die Grippe nicht hilfreich, erklärt der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV), Peter Wutzler.
Die Pharmakonzerne könnten ohnehin „nicht die ganze Welt versorgen, dazu gibt es nicht die Kapazität.“ Die Produktionskapazitäten seien „leider unzureichend für 6,8 Milliarden Menschen“, bestätigte auch WHO-Chefin Margaret Chan. Maximal könnten 900 Millionen Dosen pro Jahr hergestellt werden – genug für gerade mal 450 Millionen Menschen. Für arme Schwellen- und Entwicklungsländer dürfte da nicht viel übrig bleiben.
Deutschland hat 50 Millionen Impfdosen geordert. Das reicht wegen der notwendigen Doppelimpfung für 25 Millionen Menschen.
Schon fordert der Katastrophenschutzexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Gerold Reichenbach: „Wenn das Virus noch gefährlicher wird und die Ansteckungsrate nach oben geht, müssen Großveranstaltungen wie Fußballspiele abgesagt werden.“ Dem widersprach die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD): „Das zeichnet sich derzeit nicht ab.“
Der Virologe Wutzler sagte, das Virus breite sich schnell aus, sei aber „in der krank machenden Wirkung zu vernachlässigen“. Noch geht es um den Kampf gegen „eine harmlose Infektion“. Allerdings bestehe die Gefahr, dass das Virus mutiert und gefährlicher wird.
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