Gerüchte streuen, lästern, prügeln: Mobbing (auch: "Bullying") gehört zum Alltag auf den Schulhöfen. Gestern berichtete die MOPO über die enorm gestiegene Zahl von Straftaten an Hamburgs Schulen: Fast täglich werden Kinder und Jugendliche schikaniert, ausgegrenzt oder bedroht. Nur: Wie können Eltern überhaupt erkennen, ob ihr Nachwuchs betroffen ist? Und was können sie dagegen tun? Zwei Experten geben Tipps:
Wann man von Mobbing spricht
"Mobbing" wird vom englischen "to mob" (deutsch: anpöbeln) abgeleitet. Experten schätzen, dass jedes sechste Schulkind betroffen ist. "Typisch ist, dass es ein Machtgefälle gibt und dass der Unterlegene über einen längeren Zeitraum verbal oder körperlich angegriffen wird", erklärt Jo-Jacqueline Eckardt. Die Heiltherapeutin hat einen Ratgeber zum Thema verfasst und gibt regelmäßig Mobbing-Beratungen für Opfer.
Internet und Handy verschärften das Problem noch: Beim sogenannten "Cyber-Mobbing" lassen sich Gerüchte via E-Mail, SMS oder soziale Netzwerke noch einfacher, schneller und anonymer verbreiten.
Noch Hänselei oder schon Mobbing?
Mobbing kann viele Formen haben: "Während Jungen meist eher zu körperlicher Gewalt oder direkten Drohungen neigen, mobben Mädchen subtiler - zum Beispiel, indem sie falsche Gerüchte über unbeliebte Mitschülerinnen in die Welt setzen", erläutert Eckardt.
Eine versteckte Federtasche oder eine vom Kopf gerissene Mütze seien für sich genommen noch kein Mobbing, sondern meist Teil der unvermeidlichen Machtkämpfe in der Klasse. Hänseleien könnten jedoch die Ausgangsbasis für Bullying bilden: "Umso wichtiger ist es, frühzeitig Grenzen zu setzen", betont Eckardt.
Wie Eltern Alarmsignale erkennen
Wird ein Kind gemobbt, können Eltern dies an verstreuten Einzeläußerungen erkennen: "Die Kinder klagen dann beispielsweise über Kopf- und Bauchschmerzen, möchten nicht mehr in die Schule gehen, oder sie erzählen vereinzelt Dinge wie ,Mein Mathebuch ist weg' oder ,Meine Fahrradklingel ist kaputt'", erläutert der ehemalige Rektor und Ratgeberautor Karl Gebauer. Die schwierigste Aufgabe sei es, diese Anzeichen zu erkennen und zusammenzufügen. Eltern, die beispielsweise beobachteten, dass ihr Kind niedergeschlagen ist, sollten dies gezielt ansprechen - und immer wieder nachhaken. "Das Gefühl der völligen Schutzlosigkeit ist bei vielen Mobbing-Opfern stark ausgesprägt", weiß Eckardt. Den Betroffenen müsse wiederholt deutlich gemacht werden, dass ihnen - auch in scheinbar ausweglosen - Situationen geholfen werden kann.
Das Kind immer mit einbeziehen
"Oft reden Eltern übereilt mit der Klassenlehrerin", warnt Gebauer. "Diese klagt die Klasse offensiv an, die Mehrheit der Schüler bestreitet natürlich die Taten." Das häufige Resultat: Das Kind wird noch mehr gequält - oder steht als Lügner da. "Deswegen sollten Eltern mit ihrem Kind besprechen, was sie tun können - und gemeinsam zum Lehrer gehen oder sich Rat von außen holen", rät Gebauer.