Der Widerstand gegen die Schulreform des schwarz-grünen Senats hat viele Gesichter. Eines der radikalsten gehört Matthias Oehlrich, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands Hamburg (DLH). Seine Gewerkschaft lehnt die Reform rundweg ab und fordert ihre Aussetzung. Zuvor hatte schon die noch größere Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Skepsis geäußert. Es tobt ein Aufstand der Lehrer!
Oehlrich spricht von einer "aufgezwungenen Reform", der jede gesetzliche Grundlage fehle. Außerdem, so urteilt der Lehrerverband, werde durch die Reform das zentrale Ziel des längeren gemeinsamen Lernens bis zur sechsten Klasse verfehlt. Oehlrichs Argument: Der Gebäudebestand ist für die neue Schulstruktur aus Primarschule, Stadtteilschule und Gymnasium nicht geeignet. So müssten die meisten Grundschulklassen nach der dritten Jahrgangsstufe an einem anderen Standort weitergeführt werden. Klassenverbände könnten so gesprengt werden.
Außerdem sei es vor allem für lernschwächere Kinder wichtig, lange mit einer vertrauten Lehrkraft arbeiten zu können. Längeres gemeinsames Lernen mit Lehrern, die - wie jetzt geplant - von anderen Schulen pendeln müssten, sei kein Vorteil, sondern bedeute Hektik. Die "Pendellehrer" erzwängen zudem eine Ausrichtung der Stundenpläne an zeitlichen statt an pädagogischen Gesichtspunkten.
Der Lehrerverband Hamburg ist nicht grundsätzlich gegen längeres gemeinsames Lernen, wie er betont. Allerdings halten die Gewerkschafter eine "Einpflanzung" der Reform in das bestehende Schulsystem für falsch. Sie würden ein langsames "Heraufwachsen" der Reform von der ersten Klasse an bevorzugen. Dies würde auch genug Zeit lassen, Lehrer entsprechend zu schulen.
Auch die GEW hatte sich zuvor skeptisch geäußert. Vor allem die Übergangsregelungen für die Primarschule, die Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) kürzlich nachgebessert hatte, könnten für größere Planungsschwierigkeiten sorgen, hatte GEW-Chef Klaus Bullan prophezeit.
Goetsch selbst reagierte auf die Kritik gelassen. Die Reform sei keineswegs nur ein aus der (Koalitions)-Not geborener Kompromiss. Versuche mit einer sechsjährigen Grundschule habe es in verschiedenen Städten und auch in Hamburg Süd gegeben. "Die Modellversuche bei uns waren überaus erfolgreich", so die Senatorin.
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