Waren es mafiöse Menschenhändler aus der Karibik? Hamburger Milieu-Größen oder gar der kubanische Geheimdienst? Nach den Schüssen auf den umstrittenen Boxpromoter Ahmet Öner (37) blühen die Gerüchte. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Verbrechen.
- Wie ist der Ermittlungsstand? Die Spezialfahnder der LKA-Abteilung "Organisiertes Verbrechen" stehen noch ganz am Anfang. Ahmet Öner ist inzwischen vernommen worden, hat aber nichts Erhellendes gesagt. Gestern verteilten Beamte am Tatort Eiffestraße (Hamm) Flugzettel mit Zeugenaufrufen.
- Was weiß die Polizei über die Täter? So gut wie nichts. Öner und seine beiden Begleiter wollen die beiden Schützen angeblich nicht beschreiben können. Meldungen, dass die Killer dunkelhäutig waren und spanisch gesprochen haben, wollte die Polizei gestern nicht kommentieren. Zum verwendeten Pistolenkaliber machte die Polizei aus "ermittlungstaktischen Gründen" ebenfalls keine Angaben.
- Aus welchen Kreisen können die Schützen kommen? Die wahrscheinlichste Variante ist ein Hintergrund im mafiösen Boxer-Vermittler-Milieu auf Kuba. Laut "Spiegel Online" hat Ahmet Öner die beste Kuba-Connection im Sportgeschäft überhaupt. Neun Spitzenkämpfer von der Karibik-Insel sind in Öners Boxstall "Arena" unter Vertrag. Öner behauptet zwar, er überrede keine Boxer zur Flucht aus Fidel Castros Reich, aber das scheint nur eine Schutzbehauptung zu sein.
So suchte der 25-jährige Weltklasse-Kämpfer Erislandy Lara (25) in einer Bar in Havanna Kontakt zu Menschenschmugglern. Die schalteten angeblich Öner ein. Wenig später wurde der Amateur-Weltmeister im Mittelgewicht per Schnellboot Richtung Cancún/Mexiko gebracht. Etwa 12000 Dollar soll die Passage gekostet haben. Lara wurde als einfacher Passagier angemeldet. Doch die Schlepper erkannten den Boxer, forderten ihn auf: "Zahl 200000, oder du gehst über Bord."
Lara kam heil in Cancún an. Dort erschien ein Rechtsanwalt aus Deutschland und übergab dem dortigen gefürchteten Schlepper-Boss, genannt "Der Zwerg", angeblich 40000 Euro. Das Geld soll von Öner gekommen sein. Bei anderen Deals wurden pro Schleusung sogar 600000 Euro gezahlt.
- Könnte auch der kubanische Geheimdienst hinter den Schüssen stecken? Nicht ausgeschlossen. Weil Öner als großer Hintermann des Menschenschmuggels gilt, bezeichnete Fidel Castro ihn als gefährlichen Staatsfeind. Beim Fall Lara schimpfte Castro über die "deutsche Mafia", die hinter allem stecke. Öner selbst sagt: "Castro war es wohl eher nicht."
- Welche Rolle spielt der mutmaßliche Hauptsponsor von Öners Boxstall Arena? Dabei handelt es sich um einen deutschen Multimillionär, der Arena eine Geldspritze von 25 Millionen Euro gegeben hat. Der etwa 50-jährige Mann lebt mit Familie auf Mallorca. Bisher hat er mit Arena nur Verlust gehabt. Doch sein Vermögen dürfte hoch genug sein, das zu verschmerzen. Der Sponsor dürfte Öner gegebenenfalls deshalb auch eher mit guten Anwälten jagen statt mit Killern.