Den Nachmittag genoss Collin Benjamin mit seinen Liebsten. "Ich habe meine Tochter Zunaid vom Kindergarten abgeholt", berichtete der Namibier. "Das tat richtig gut. Es hilft. Was wäre nur los, wenn ich jetzt allein zu Hause in der Bude hocken würde ..."
Fassungslosigkeit macht sich beim HSV breit. Weil es einen erwischte, dem wirklich niemand etwas Schlechtes wünscht. Mit einem Innenbandriss und einem Teilabriss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie kehrte der 31-Jährige vom Test-Länderspiel gegen Swasiland zurück. Vermutlich sechs Monate wird er pausieren müssen, "vielleicht kann ich im Frühjahr noch mal angreifen", hofft Benjamin.
Ausgerechnet ein Trip, den er zunächst gar nicht antreten wollte, leitete den nächsten herben Schlag für den in der Vergangenheit so oft gebeutelten HSV-Allrounder ein. "Ich bin einfach nur hingeflogen, um Spielpraxis zu sammeln", sagt Benjamin. Und dann das. "Ich wollte aufs Tor schießen, und der Keeper stürzte raus. Er hat mich mit voller Wucht am Standbein erwischt." Der Rest war Entsetzen.
Heute wollen die HSV-Ärzte darüber befinden, ob Benjamin operiert oder konservativ behandelt wird. "Aber aus meiner Sicht scheint eine OP der bessere Weg zu sein", sagt der "treue Collo" (seit Januar 2001 beim HSV).
Wie geht es danach weiter? Im Sommer läuft Benjamins Vertrag aus. In den vergangenen Jahren machte der HSV sich Freunde, weil er schwer verletzten Spielern (Atouba, Reinhardt) neue Einjahresverträge vorlegte. Ein sozialer Zug, der auch bei Benjamin mehr als angebracht wäre.