Das hat dem HSV gerade noch gefehlt. Nach dem mäßigen Saisonstart mit den Unentschieden gegen Osasuna (0:0) und Bielefeld (1:1) muss nun auch noch der Abwehrchef passen. Die Verletzung, die sich Vincent Kompany beim 0:0 Belgiens gegen Kasachstan zuzog (die MOPO berichtete), entpuppte sich als Adduktorenzerrung - das vorläufige Aus für den 20-Jährigen, nicht nur für den morgigen Kick in Cottbus, sondern zumindest auch für das Rückspiel der Champions-League-Qualifikation am Dienstag in Pamplona! Der HSV muss ohne Kompany nach den Sternen greifen.
Nachdem Kompany wieder Hamburger Boden betrat, ging es zügig in die Praxis des Spezialisten Dr. Finkenstaedt. Dort sollte die Schwere der Verletzung genauestens diagnostiziert werden. Doch schon direkt nach dem für Belgien misslungenen Start in die EM-Qualifikation ahnte er Böses: "Das sieht nicht gut aus, ich habe Schmerzen. Und das jetzt, vor den so überaus wichtigen Spielen ..."
Thomas Doll ist versucht, aus der Not eine Tugend zu machen - was bleibt ihm auch anderes übrig? Der Trainer hofft nun mehr denn je auf den Einsatz Khalid Boulahrouz'. Zumindest da siehts gut aus. "Ich muss jetzt noch abwarten, wie mein Fuß die Belastungen übersteht", meint der Holländer, "aber ich bin optimistisch und glaube, dass es klappt." An seiner Seite wird in Cottbus Bastian Reinhardt verteidigen. Glück im Unglück für den Manndecker, der ansonsten aus der Startelf geflogen wäre.
Ohne Kompany in Cottbus und Osasuna - ausgerechnet jetzt. Der HSV muss gewaltig Fahrt aufnehmen, will er nicht schon nach wenigen Wochen dieser Spielzeit eine Bauchlandung der besonders schmerzvollen Art hinlegen. Der Bedarf, einen zusätzlichen Abwehrspieler zu verpflichten, wird größer denn je - Panik bricht dennoch nicht aus. "Wir werden jetzt nicht überreagieren", erklärte Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Mit Entscheidungen ist demnach erst nach der Partie in Osasuna zu rechnen.
Acht Millionen Euro garantierte Mehreinnahmen stehen in der kommenden Woche beim Ritt nach Spanien auf dem Spiel. Genau diesen Betrag kostete Kompany bei seinem Wechsel aus Anderlecht. Eine bittere Ironie des Schicksals, dass der Belgier nicht mithelfen kann, wenn es darum geht, die Kohle wieder einzuspielen.