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SCHICKSALS-PORTRÄT

Die Zeit, die bleibt

Die Story: Der attraktive Modefotograf Romain (Melvil Poupaud), erfolgreich, eitel und egozentrisch, erfährt mit 30 Jahren von seinem baldigen Krebstod. Er lehnt eine Chemotherapie ab und nutzt die verbleibenden Wochen radikal zur Selbstfindung: Nachdem er seinen Lebensgefährten vor die Tür gesetzt hat, zieht er sich zurück und erzählt niemandem von seiner Krankheit - außer seiner Großmutter (Jeanne Moreau), dem einzigen Menschen, dem er sich nahe fühlt. "Du bist wie ich", sagt er. "Du stirbst auch bald!"



Die Schauspieler: Mit seinem Charisma und seiner nuancenreichen Darstellung der nicht übermäßig sympathischen Hauptfigur trägt Melvil Poupaud ("Sommer") den Film mühelos allein. Poupaud hatte sich extra Muskeln antrainiert und während der Dreharbeiten dann so gut wie nichts gegessen, um nebenbei auch Romains körperlichen Verfall zu dokumentieren. Dank der sagenhaften Präsenz von Leinwand-Legende Jeanne Moreau, in deren Gesicht und Stimme sich ihr Leben tief eingegraben hat, werden die intimen Szenen mit der Großmutter zum Herzstück des ganzen Films. Und die wunderbare Valeria Bruni-Tedeschi ("5x2") sorgt als verhuschte Raststätten-Bedienung dafür, dass ein weiterer Handlungsstrang nicht ins Klischeehafte abdriftet: die Episode, in der der schwule Romain eine kinderlose Kellnerin schwängert, um sich vor seinem Tod noch in einem Kind zu verewigen.



Der Regisseur: François Ozons Kammerspiel in Cinemascope ist der zweite Teil seiner Trilogie über die Trauer: Während es in "Unter dem Sand" um den Umgang mit dem Tod eines anderen Menschen ging, erzählt der französische Regie-Wunderknabe ("Swimming Pool") hier vom Umgang mit dem eigenen Tod - nüchtern und zärtlich zugleich; ruhig und stets stilsicher; melancholisch, aber ohne jede Sentimentalität. In Rückblenden lässt er seinen Helden, der alles andere als ein Held ist, die eigene Kindheit noch mal erleben, und immer wieder dient Ozon dabei das Meer als Metapher - bis hin zum poetischen Schluss, wenn sich der Strand von San Sebastiàn in Romains Sterbebett verwandelt.



Fazit: Intimes, ehrliches Porträt eines krebskranken jungen Mannes.



Valeria Bruni-Tedeschi als Kellnerin

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Datum:  20.4.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“