Es ist mehr als ein Gerücht, dass auf Stadtfesten im Harburger Umland stets nur ein Betrunkener vor der Bühne tanzt und selbst Mädchen vom Lande nicht auf akne- gequälte Typen stehen. Wer das alles in seiner Jugend am eigenen Leib erfahren musste, hat im Erwachsenenalter viel Stoff für seinen Psychiater oder einen schwarzhumorigen Adoleszenz-Roman. Wer dann noch Puste hat - wie Erfolgsautor und Hamburger Original Heinz Strunk - setzt seine autobiografischen Leiden zusätzlich in eine Pop-Operette um.
"Aber genau solche tragikomischen Alltagsdramen locken ein ganz neues Publikum ins altehrwürdige Theater", schwört Hauptdarsteller und Regisseur Rocko Schamoni. Vermutlich gab Schauspielhaus-Intendant Friedrich Schirmer genau deshalb der albernen Inszenierung "Phoenix - Wem gehört das Licht?" nach Heinz Strunks Kultbuch "Fleisch ist mein Gemüse" eine zweite Spielzeit. "Es wäre auch zu schade gewesen, das Stück nur sieben Mal aufzuführen", so Rocko.
Wie beim Debüt ist die Rollenaufteilung unter den Studio-Braun-Kollegen klar: Den Part von Heinz Strunks Opa übernimmt Schamoni, Heinz Strunk spielt seine manisch-depressive Mutter gleich selbst, und Jacques Palminger mimt die nervtötende Oma. "Wir wollen eben da zupacken, wo es schmerzhaft wird." Und dafür bietet Heinz' Jugend ausreichend Vorlage. Von ersten Onanie-Versuchen bis zu der gescheiterten Annäherung an eine Teenie-Nachwuchssängerin (gespielt von Strunks Freundin Lana Cooper) bleibt dem Zuschauer an seelischer Grausamkeit nichts erspart. Daher geben erst lichte Momente wie Quatschreden mit Ei-Schnittchen und Likör oder fetzige Schlager-Intermezzi der Partykapelle "Tiffanys" dem Anarcho-Musical seine humorvolle Note.