Es ist traurig, aber wahr: Der Todestag von Heinrich Heine fällt ins Mozartjahr", kalauerte Kabarettist Matthias Deutschmann. Wenn auch der Salzburger zwölf Monate bekommt, so warens für den Dichter immerhin 24 Stunden: Im Schauspielhaus wurde die "Heinrich Heine-Nacht" gefeiert - von 16.30 Uhr bis morgens früh um vier. Der ZDF Theaterkanal übertrug live das "Literarische Quartett" und die Show "Liebe, Spott und Vaterland". Drumherum gabs fröhliches Gedichtelesen, mit Promis wie Boris Aljinovic, Nicole Heesters oder Christian Quadflieg.
Vor 150 Jahren starb Harry (wie er ursprünglich hieß) Heine in Paris. Er war der erste Feuilletonist, der erste freie Schriftsteller. Und ein Meister der Ironie, der punktgenauen Beobachtung: "Die Hamburger sind gute Leute und essen gut." Kommt man ihnen aber mit einem Satz wie "Bitte auf die Plätze, in zweieinhalb Minuten beginnt die Live-Sendung" - dann kann man den pünktlichen TV-Start getrost vergessen. Die Begegnung zwischen terminorientiertem ZDF-Team und lustwandelndem Theaterbesucher hatte seinen eigenen Reiz.
Reizvoll auf der Bühne: Iris Berben, Peter Lohmeyer und Ulrich Tukur. Der bewies als wiederbelebter Harry gemeinsam mit dem Efim Jourist Quartett, dass sich Heine-Verse auch zu Salonmusik ganz vorzüglich machen. Und global funktionieren: Die berühmte "Loreley" sang der Kanemaki-Chor auf Deutsch und Japanisch - "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin ..." Das letzte Wort dem "Literaturpapst". Auf die Frage, was an Heine das Moderne sei, antworte Marcel Reich-Ranicki: "Er hat klare Gedanken einfach formuliert."