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SCHANZENKRAWALLE

"Feuer und Flamme für so viel Dummheit"

Die Krawallnacht am 1. Mai

Sinnlose Gewalt, stundenlange Randale mit zahlreichen Verletzten - am Wochenende erschütterten in zwei Nächten Ausschreitungen in der Schanze den gesamten Stadtteil. Krawall als Ritual - angestachelt von eigens dafür angereisten Jugendlichen. Rund um das Schulterblatt wächst die Wut: Andreas H. (48), alt eingesessener Schanzen-Bewohner und bekennender Links-Liberaler, will sich die Exzesse nicht länger anschauen. In der MOPO wendet er sich mit einem offenen Brief an die halbstarken Krawallmacher.



Lieber anonymer Randalierer,



ich war dabei, als Du am 1.-Mai-Wochenende mit Rucksäcken voller Steine und Brandbeschleuniger anreistest. Mit Mamas Monatskarte aus der Vorstadt, im Kopf viel billigen Fusel und wenig gute Ideen. Dein Ziel ist das Chaos, die Gewalt. Die Zerstörung. Oft auch gegen uns, die Anwohner.



Ich habe dich gesehen, als Du feige versteckt unterm teuren Marken-Kapuzenpulli wieder mal sinnentleert in meinem Schanzenviertel zündeltest. Als Du Plastikmülltonnen und stinkenden Sperrmüll zu einem Feuer mitten zwischen unseren Häusern stapeltest.



Ich hab' Dich gesehen, als Du sogar Fahrräder der Anwohner in die Flammen warfst. Ich habe Dich erwischt, als Du Zweige und Bäume aus dem Park hinter der Flora, der uns Erholung sein soll, in Dein stinkendes Straßenfeuer wuchtetest.



Ganz großes Kino? Nein. Ganz große Scheiße! Hey, Möchtegern-Revolutionär: Plastik verbrennen? Fahrräder anzünden? Natur zerstören? Geht's denn noch? Wie asozial ist das denn? Von zerschlagenen Scheiben des Kleingewerbes und zerstörten Studenten-Autos in den Nachbarstraßen gar nicht erst zu reden.



Auch nicht von dem Ritual rund um die Haspa-Filiale und Deutsche Bank, wo Du und deinesgleichen vermeintliche Stärke gegen den Kapitalismus zeigen, indem Ihr mit Eisenstangen Geldautomaten und Schaufensterscheiben zerschlagt. Welch jämmerliches Spektakel, das jedem schadet, aber am wenigsten der Bank.



Ich habe Dich beobachtet, wie Du zwei Stunden, unter dem Gejohle herumlungernder Billig-Bier-Teenager und von der Polizei lange ungehindert, Krawall machen durftest. Dich hirnlos am Eigentum kleiner Leute, an Anwohnerinteressen und sämtlichen Ideen vergingst, für die andere hier jahrelang gekämpft haben.



Gekämpft damals auch mit Demos. Sicher auch mal mit Spektakel und Krawall. Aber selten so sinnlos wie heute. Fotografiert habt Ihr Euch stolz vorm stinkenden Plastik-Feuer, vor Wasserwerfern - aber Euer Handy-Geknipse ist Beweis für nichts. Zu peinlich sogar für "youtube".



Du spielst Bürgerkrieg für Arme. "Das ist krass peinlich, Digger", um es in Deiner Sprache zu sagen. Wir Anwohner finden längst: Feuer und Flamme für so viel Dummheit.



Du, pubertärer Vorstadt-Guerillero, pinselst "Revolution" an jene Rote Flora, die wir auch mal freikämpften mit Demos, die aber heute meist nur für Intoleranz steht und Gewaltkulisse ist.



Du grölst: "Sankt Pauli! Sankt Pauli!" Aber, hey, Du verstrahlter Krawallrianer: Wir sind St. Pauli - Du aber definitiv nicht! Die mögen aufsteigen, Du aber, anonymer Asozialist, steigst ab, denn tief bist Du gesunken.



Wir ticken hier sicher links-liberal, kritisieren gern den Staat, die Polizei. Aber wir ringen hier auch um Menschlichkeit, um Leben, um Lösungen. Du aber zerstörst sie. Dir geht es in der Schanze längst nicht mehr um "Ballermannisierung" oder "Yuppies" - inzwischen bist Du feiger Brandstifter das größere Problem.



Und eines, lieber sinnloser Straßenkämpfer, wisse: Lange lassen wir Anwohner uns das nicht mehr bieten.



Grüße mit Kopfschütteln Andreas H. (48), ein Anwohner aus dem Schulterblatt

Die Ausschreitungen im Schanzenviertel

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Datum:  3.5.2010
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