Schlimmste Befürchtungen – und vorläufige Entwarnung. Die Schanze feierte – und wie! Sonniges Wetter und sommerliche Temperaturen lockten gestern rund 8000 Besucher zu Wein, Bier, Musik und einem Riesenflohmarkt in die Sternschanze. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieb es auf dem zweiten Schanzenfest in diesem Jahr ruhig und friedlich.
Schon am Vormittag herrscht entlang der Flohmarktstände an Schulterblatt, Susannenstraße und Bartelsstraße dichtes Gedränge. Von der Bühne vor der „Roten Flora“ und aus den zahlreichen Musikboxen dröhnen Reggae, Rock und Dancehall-Rhythmen.
Kommerzielle Fressbuden gibt es nicht. Speisen und Getränke kommen allesamt von privaten Verkäufern.
Friedliche und ausgelassene Stimmung überall. Auch ein heftiger Schauer am späten Nachmittag kann die Besucher nicht vertreiben. Linke, Autonome,Yuppies und neutrale Besucher feiern Seite an Seite.
Und trotzdem: Es liegt etwas in der Luft. Eine gewisse Anspannung. Am Vorabend hatte es Randale bei der NPD-Kundgebung gegeben (siehe Seiten 6/7) Hält heute der Frieden? Oder kippt die traditionell nicht offiziell angemeldete Veranstaltung einmal mehr und endet mit Straßenschlachten zwischen Krawallmachern und Polizei?
Die Wut über das offensive Auftreten der Polizei beim letzten Schanzenfest am 4. Juli ist spürbar. Anwohnerin Gerlinde Jahnke (54): „Das Schanzenfest ist ein friedliches Fest. Die Leute haben das Recht, selbst zu bestimmen, wann und wie das Fest zu Ende geht. Die Polizei soll sich da einfach raushalten.“
Und die Anti-Polizei-Stimmung zeigt sich vielerorts, wenn auch eher unterschwellig: Am Schulterblatt informieren Fotogalerien über Polizeigewalt, an Tapeziertischen bemalen Besucher Schilder mit Sprüchen, die die Polizei auf die Schippe nehmen. Gegenüber der „Roten Flora“ gibt es das „Bullenwerfen“, eine Abwandlung des Dosenwerfens: Besucher können Polizistenfiguren aus Sperrholz mit Bällen umwerfen. Kippt eine der Figuren um, gibt’s Gejohle und Applaus aus der Menge.
Die Polizisten vor Ort halten sich zurück. Nur vereinzelt schlängeln sich freundlich lächelnde Streifenbeamte durch die Massen. Von Anfeindungen bleiben sie verschont.
So manch einer traut am frühen Abend dem Frieden nicht komplett. Alexander Cuhls (21), „hauptberuflicher Balloon-Artist“ aus Altona: „Ich gehe einfach, sobald es dunkel wird. Auf Gewalt und miese Stimmung habe ich einfach keinen Bock.“
Es sieht so aus, als wäre man sich dabei einig, an diesem Abend in der Schanze.