Die Auseinandersetzungen ums Schanzenfest haben eine neue Qualität. Immer mehr Anwohner und Ladenbesitzer stellen sich mit der Polizei den Randalierern in den Weg. Auch ihrem Eingreifen ist es zu verdanken, dass die Krawalle nicht so extrem ausuferten wie die vergangenen Male. Die MOPO sprach mit Jeannine Frey (38), einer Frau, die sich einem Chaoten entgegenstellte, selbst aber auch mit der Polizei in Konflikt geriet.
Jeannine Frey, Ergotherapeutin aus dem Karoviertel, war mit Freunden am Neuen Pferdemarkt. "Wir haben Musik gehört und die nette Atmosphäre genossen", sagt sie. Gegen 22.40 Uhr kippt die ausgelassene Stimmung. Ein Vermummter im schwarzen Kapuzenpulli löst sich aus einer Gruppe und schleppt eine rot-weiß gestreifte Bauabsperrung auf die Straße. Eine weitere wird mit einem lauten Knall danebengeworfen. Es scheint, als sei dies das Startzeichen für die Randale. Die Stimmung ist wie elektrisiert, alles wartet auf den ersten Steinwurf. Da springt Jeannine Frey auf, läuft zu dem etwa 18-Jährigen im Kapuzenpulli: "Hört auf, verschwindet von hier. Das ist unser Viertel, wir wohnen hier, wir haben keinen Bock auf euch", schreit sie, packt die Absperrungen und schleppt sie von der Straße.
"Die Gefahr, in der ich mich befand, war mir gar nicht bewusst, ich wollte einfach, dass die aufhören, unser schönes Fest kaputt zu machen." Der Randalierer ist irritiert. Für einige Minuten entspannt sich die Lage. Doch dann fliegen Steine auf die Polizisten an der Budapester Straße. Die Gewalt eskaliert.
"Die meisten Randalierer waren doch nur Erlebnistouristen, die hier auf der Schanze was erleben wollten. Mit Protesten gegen die Veränderungen hier in der Schanze hat das nichts zu tun", sagt die langjährige Schanzenbewohnerin. Die hohen Mieten vertrieben kleinere Geschäfte. Stattdessen prägten Bäckerei-Ketten und schicke Bars die Multikulti-Piazza. Frey ist davon genervt. "Ich bin vor einem Jahr vom Schulterblatt weggezogen. Früher war das hier ein familienfreundliches, sauberes Pflaster. Inzwischen hat sich da-raus eine große Partymeile entwickelt. "Mit Gewalt dagegen zu kämpfen ist keine Lösung", sagt sie. Die 38-Jährige hat die Nase voll von den Krawallmachern. "Die werfen ein schlechtes Licht auf unseren Stadtteil und auf das Fest."
Doch nicht nur wegen ihres Einsatzes wird ihr das Fest in Erinnerung bleiben. Kurz zuvor soll Frey von einem Polizisten geschubst worden sein. Er beschuldigt sie, ihn angespuckt zu haben. Die Polizei ermittelt nun wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt.
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