Wo am Wochenende Barrikaden brannten, fließt wieder der Verkehr, wo Krawalltouristen die Scheiben der Sparkasse einschmissen, schieben Mütter schnellen Schrittes ihre Kinderwagen durch den Regen. Nur abgeklebte zerstörte Fenster und Aufräumarbeiten im Rossmann-Markt, der geplündert worden war, erinnern an den Gewaltausbruch in der Schanze.
Doch es regt sich was im Viertel. Man spricht über die sinnlose Gewalt, will nicht mit den Krawallmachern in einen Topf geworfen werden. Der offene Brief von Schanzenbewohner Andreas H. an den "lieben anonymen Randalierer", den die MOPO gestern veröffenlichte, hat vielen aus dem Herzen gesprochen ("Lange lassen wir Anwohner uns das nicht mehr bieten").
"Das kann ich absolut unterschreiben", sagt Julika Eisenmann (31), die seit sechs Jahren in der Schanze wohnt und ihre fünf Monate alte Tochter auf dem Arm hat. "Diese Randale habe doch nichts mehr mit der eigentlichen Schanze zu tun." Marc Ehlers vom "Glassaal" sagt: "Wenn ich mich mit Nachbarn unterhalte, dann überlegen wir schon, was man machen könnte, um zu zeigen: Die Schanze ist anders und nicht das, was man zweimal pro Jahr im Fernsehen sieht." Er selbst ist am Wochenende woanders ausgegangen.
Margot Schwager (73) ist seit ihrem zweiten Lebensjahr im Viertel zu Hause. "Das ist furchtbar, wie sich das hier entwickelt hat." Wenn Krawall ist, traut sie sich nicht raus: "Dann bin ich eingesperrt in den eigenen vier Wänden."
Matthias Apostolis (30), der am Schulterblatt kellnert, berichtet: "Bei uns im Lokal saßen die Gäste bis 3.30 Uhr fest. Während ein paar Leute bei der Deutschen Bank die Scheiben eingeworfen haben, standen auf der anderen Leute Schaulustige und haben sie angefeuert - unglaublich."
"Das waren keine Linksautonomen, sondern Krawall-Kids", meint Marc (32). "Diese Gewalt ist für'n Arsch, ich will hier auch mal mit meinem Kind spazieren gehen können", sagt der werdende Vater. Mit der linken Szene in der Schanze, die sich gegen die Yuppisierung des Viertels wehrt, habe das ganze nichts zu tun. "Aber leider hat die Polizei jetzt wieder einen Grund, hier massiv einzugreifen." (mh)
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BU: Marc (32): "Diese Idioten geben der Polizei einen Grund, hier wieder gegen die linke Szene vorzugehen."
BU: Fadil Jasari (53) vom EiscafØ Venezia, seit 20 Jahren in der Schanze: "Ich verstehe die Randalierer nicht."
BU: Matthias Apostolis (30), Kellner: "Die kommen doch nur hierher, weil sie was kaputt machen wollen - das ist erbärmlich."
BU: Julika Eisenmann (31, l.), Andrea Leonhards (36): "Die Randale hat nichts mit der Schanze zu tun."
BU: Marc Ehlers vom "Glassaal": "Das ist Vandalentourismus, der nichts mit politischen Inhalten zu tun hat."