Es gibt in Hamburg Kindergärten, Jugendhäuser, Fixerstuben, Seniorenbegegnungsstätten – und bald wohl auch Trinkerräume!
Die Idee stammt aus Kiel: Dort gibt es den Trinkraum „Sofa“ seit sieben Jahren. Das Prinzip: Kommen darf jeder, Alkohol wird mitgebracht. Erlaubt: Wein und Bier. „Schnaps reizt die Stimmung zu sehr“, sagt Reinhard Böttner vom Sozialverein „Hempels“, der das „Sofa“ ins Leben rief und eine Straßenzeitung produziert.
Auch illegale Drogen sind verboten. Dafür gibt's Kaffee und Limo zum Selbstkostenpreis. Hinterm Tresen stehen Leute wie Stammgast Dirk. „Die kennen die Regeln im Milieu und werden akzeptiert“, sagt Böttner. Ein Blick auf das volltätowierte Gesicht von Dirk lässt daran keinen Zweifel. Bedingung für Tresenkräfte: Sie dürfen nicht zu voll sein. Gäste können sich so lange abfüllen, wie sie friedlich bleiben.
Rund um das „Sofa hat sich eine Sozialstation etabliert, mit Suppenküche, PCs, Hilfsangeboten. Ein-Euro-Jobs und Sozialstunden werden vermittelt.
In Kiel hat das Konzept alle begeistert: Anwohner und Geschäftsleute beschweren sich nicht mehr über Pöbeleien, Uringestank und Müll. Die 70 Stammgäste haben einen Treffpunkt, wo sie niemand vertreibt und es bei Schietwetter behaglich ist.
Perfekt für Hamburg, dachten sich die Politiker von SPD und GAL im Bezirk Mitte und haben jetzt einen Antrag gestellt, Trinkräume für den Berta-Kröger-Platz in Wilhelmsburg und den U-Bahnhof Legienstraße (Billstedt) zu prüfen. Nach einer Startfinanzierung sollen EU-Mittel und der Limo- und Kaffee-Verkauf die Kosten decken, freie städtische Räume gäbe es auch, so GAL-Fraktionschef Michael Osterburg.
Damit die Trinker auch im Sommer von der Straße verschwinden, ist sogar eine Art „Biergarten“ im Gespräch. Doch das Trinkerparadies hat für Alkoholiker auch Schattenseiten: Mit Verweis auf die neue Örtlichkeit soll der Ordnungsdienst in Zukunft leichter Platzverweise bei Saufgelagen aussprechen dürfen.
Mathis Neuburger
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?