Hells Bells, Totenkopf-Flaggen, einfallsreiche Gesänge und totale Unterstützung der Mannschaft - dass die Stimmung bei den Heimspielen des FC St. Pauli grandios ist, weiß in Fußball-Deutschland jeder. Das Millerntor ist für viele Anhänger ein heiliger Ort. Dieses Gefühl wird jetzt noch verstärkt: Die angesehene Hamburger Werbeagentur "Jung von Matt" baute ihre Loge in der Südtribüne zur "St. Pauli-Kapelle" aus. Darin kann sich der Zweitligist für seine sportlichen Ziele Hilfe von "oben" holen - und Fans dürfen dort sogar heiraten!
Diese einmalige Idee hatten zwei Macher der Agentur, Chef Jean-Remy von Matt und Geschäftsführer Christian Hupertz. Sie beauftragten den Industrie-Designer und Künstler Ole Grönwoldt. Was der 43-jährige Hamburger mit seinem Team auf nur 28 Quadratmetern geschaffen hat, ist für St. Paulis Mittelfeldspieler Thomas Meggle "der absolute Wahnsinn".
Damit hat "Meggi" nicht übertrieben. Er ist wie Trainer Holger Stanislawski einer von rund 20 Millerntor-Größen, deren Konterfei im Stil einer russischen Ikone an der Wand prangt. Auch sonst fühlt sich der Besucher wie in der (Fußball-) Kirche. Auf dem Altar liegen ein alter "Buffer" von André Trulsen, der Sieger-Ball vom 4:3-Pokalsieg gegen Hertha BSC anno 2005 sowie ein Stück Rasen.
Davor stehen Original-Kirchenbänke, auf deren Ablagen liegt das "Fußball Unser". Grönwoldt hat sich für einen gelungenen Architektur-Mix entschieden: Neben der Ikonen-Malerei gibt's einen Renaissance-Boden, eine Spätbarock-Decke, korinthische Säulen sowie gotische Fenster. "Beeindruckend", so Thomas Meggle, "ist auch die Liebe zum Detail. Das zeugt von sehr viel Kreativität." So sind auf der Tischdecke vorm Altar nicht nur zwei Totenköpfe, sondern auch der Satz "St. Pauli ist das Brot des Lebens" dezent eingearbeitet. An den Wänden hängen Kirchenbilder, die Ex-Star-Keeper Volker Ippig oder die frühere manuelle Ergebnistafel zeigen. Künstler Grönwoldt ist stolz auf sein Werk: "Bislang hat mir eine Arbeit selten so viel Spaß gemacht wie diese." Seinen 20 Helfern offenbar auch: "Alle Bauleute haben deutlich mehr Einsatz gezeigt als üblich."
Ach, ja: Natürlich gibt's auch einen Beichtstuhl in der St. Pauli-Kapelle. Wenn die Profis auf dem Rasen oder die Fans in der Ehe nicht alles gegeben haben, können sie sich ihre Nachlässigkeiten von der Seele reden.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?