Klassenzimmer findet er so abstoßend wie Krankenhäuser. "Durch die letzten drei Jahre meiner Schulzeit habe ich mich nur gequält", sagt Jan Delay (32). Doch dieses Angebot konnte er nicht ablehnen: einmal selbst Lehrer spielen! Für einen Tag stellte sich der Musiker jetzt an die Tafel der Rudolf-Roß-Gesamtschule in der Neustadt. Das Jugendmagazin "Spießer" hatte ihn als Vertretungspauker im Fach Sozialkunde eingeladen. Thema der Stunde: "Protestkultur".
Mit Baseball-Cap und Louis-Vuitton-Rucksack betrat Delay (eigentlich Jan Phillip Eißfeldt) die Klasse 9c. Startschwierigkeiten blieben dem Pionier des deutschen HipHop erspart: Vier Schüler hielten Kurzvorträge über friedliche und gewaltvolle Proteste. Die Chance für Jan, sich als (Ober-)Lehrer zu probieren: "Mit Referaten ist es wie mit Reimen", erklärt er den Kids. "Wenn man die spröde rüberbringt, hören weniger Leute zu. Das Geheimnis ist, sie mit Gags anzureichern." Von seiner ernsten Seite zeigt er sich bei der Diskussion über Demos und die Proteste im Iran. "Es ist immer besser, wenn ein Protest unbewaffnet und peacig bleibt. Dann hat auch die Regierung kein Argument gegen die Demonstranten."
Jan selbst ging bis zur siebten Klasse auf die Jahnschule in Eimsbüttel (heißt heute Ida-Ehre-Gesamtschule), machte auf dem Helene-Lange-Gymnasium (Harvestehude) Abitur. "Physik, Bio und Chemie war das Langweiligste", sagt der Mann, der sein Volkswirtschafts-Studium drei Tage durchhielt. "Doch das Schlimmste waren falsche Autoritäten. Mit frustrierten Lehrern macht Schule keinen Spaß." Und wie hat er sich selbst als "Autorität" geschlagen? Mechthild Garritzmann (49), Klassenlehrerin der 9c: "Er war locker, aber hat nur gesessen und die Schüler zu wenig angeguckt. Ich denke, Lehrer wird er nicht mehr."