Es vergeht kaum ein Tag, an dem keine neuen Details im Sex-Skandal um Ex-Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell (63) und Referee Michael Kempter (27) an die Oberfläche quellen. Es geht zu wie im Schlussverkauf. Schwülstige Gedichte, Küsse auf den Mund, Griffe in den Genitalbereich alles muss raus. Tabus gelten schon lange nicht mehr. Und es geht um Liebe unter Männern. Zu allem Überfluss meldet sich jetzt auch noch Rudi Assauer (65) zu Wort. Ausgerechnet. "Stumpen-Rudi", Sprachrohr aller deutschen Machos. Und der Ex-Schalke-Boss hat - wie nicht anders zu erwarten - eine klare Meinung.
"Das ist wirklich keine schöne Geschichte. Diese Sache schadet dem deutschen Fußball. Und es wird bei diesem Rosenkrieg keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben", so Assauer zum "Express". So weit, so harmlos. Aber keine Sorge, Assauer kommt noch auf Betriebstemperatur. Schwule Fußballer sind ihm in seiner Karriere als Spieler und Manager nie untergekommen. "Aber als ich noch in Bremen war, hörte ich, dass unser Masseur schwul ist. Ich bin zu ihm gegangen und habe ihm gesagt: 'Junge, tu mir einen Gefallen - such dir einen neuen Job."
Als Schwulenfeindlichkeit will Assauer solche Aussagen selbstverständlich nicht verstanden wissen. "Ich habe überhaupt nichts gegen Homosexuelle. Aber im Fußball funktioniert das nicht." Ganz im Gegenteil. Ihm geht's vielmehr darum, schwule Fußball-Profis vor den intoleranten Kollegen zu schützen. Assauer: "Wenn die sich outen, werden sie plattgemacht. Von ihren Mitspielern und den Leuten im Stadion. Diese Hetzjagd sollte man ihnen ersparen."
Von Outings hält er demnach überhaupt nichts. Würde sich ihm gegenüber ein Spieler zu seiner Homosexualität bekennen, wäre sein unmissverständlicher Ratschlag: "Junge, du hast Mut gezeigt. Aber suche dir etwas anderes."
Corny Littmann homosexueller Präsident des FC St. Pauli, gibt Assauer in seiner Ansicht nur teilweise Recht: "Es würde sicher Reaktionen geben. Aber es ist natürlich Unsinn, dass sich Homosexuelle eine andere Sportart suchen müssten. Das ist zu fatalistisch - das ist nach hinten gewendet und nicht nach vorne gedacht." Von der Affäre Amerell ist der 57-Jährige nicht überrascht: "Ich wusste schon lange, dass es schwule Schiris gibt. Das ist für mich keine neue Erkenntnis."
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