Dreifacher Beckenbruch. Lungenflügel zusammengefallen. Bein zertrümmert. Schulterblatt, Rippen und Schambein gebrochen. Der Körper von Horst S. (44) ist übersät mit schwersten Verletzungen. Doch es sind nicht die Schmerzen, die dem Mann am meisten zu schaffen machen. "Die Polizei hat mich zum Einbrecher gemacht. Dabei bin ich doch nur vor einer Bande geflüchtet", sagt der Familienvater, der an der Billstraße (Rothenburgsort) durch ein Dach gestürzt war (MOPO berichtete).
Horst S. rief in der Nacht zu Sonntag die Polizei. Er war auf das Dach einer Spedition geklettert, durch eine Well-Lichtplatte gebrochen und etwa fünf Meter tief in die Halle gestürzt. Während Notarzt und Sanitäter den 44-Jährigen behandelten, erzählte er die Geschichte von seiner Flucht. Die Polizisten glaubten ihm offensichtlich nicht und suchten das Gelände ab. Sie entdeckten zwei aufgebrochene Schlösser. Ermittlungen wegen Einbruchs! Peinlich: Wie sich nun herausstellte, waren die Schlösser von der Feuerwehr aufgebrochen worden, um an den Verletzten heranzukommen. Andere Einbruchsspuren wurden nicht gefunden.
"Ich bin nicht eingebrochen", erklärt der Hafenarbeiter aufgeregt. Er sei auf dem Weg von der Geburtstagsfeier seines besten Freundes nach Hause gewesen. "Von Weitem sah ich eine Gruppe Jugendlicher, die Flaschen auf die Straße warfen." Die südländisch aussehenden Männer hätten gerufen: "Ey, lasst uns mal den Dicken klatschen." Horst S. sagt, er sei nur noch gelaufen und aus Panik auf das Gelände der Spedition gerannt. "Schaut mal, der Dicke läuft. Er hat Angst. Jetzt haben wir ihn", soll einer der Männer gerufen haben.
"Ich hatte nur noch den Gedanken, mich zu verstecken." Er sei über einen Palettenstapel auf das Dach geklettert - und wenig später eingebrochen.
Besonders schlimm sei, dass seine Familie nun die angewiderten Blicke auf der Straße aushalten müsse, weil alle denken, er sei ein Verbrecher. "Das schmerzt mich. Hinzu kommt, dass ich mich so erniedrigt fühle, weil ich vor diesen Jungs weglaufen musste", sagt der bullige Mann. Tränen laufen ihm über die Wangen.
Polizeisprecherin Ulrike Sweden sagt: "Wir prüfen die Angaben des Mannes, ermitteln in alle Richtungen. Gegebenenfalls werden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt."
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