Beziehungs-Knatsch mitten auf dem Schulterblatt. Ein Pärchen zankt sich lautstark. Nichts besonders in der Schanze. Doch in der Nacht zum Sonntag führte der Streit dazu, dass die Polizei mit 370 Leuten anrückte und die "Rote Flora" stürmte.
Um 5.30 Uhr waren ein 23-jähriger Schwarzafrikaner und seine Freundin (18) aneinander geraten. Leute aus der Roten Flora mischten sich ein und sprühten dem Afrikaner Reizgas ins Gesicht. Die 18-Jährige wurde laut Polizei gleichzeitig gegen ihren Willen in die Flora gezogen. Verfolgt von wütenden "Rotfloristen" flüchtete sich der 23-Jährige in seine Wohnung am Schulterblatt. Dann trafen zwei alarmierte Peterwagen ein, die Beamten nahmen zunächst den Afrikaner fest, weil der angeblich mit einem Messer herumgefuchtelt haben soll. Der Mann konnte den Schutzleuten aber klar machen, dass er eher Opfer, nicht Täter sei. In diesem Moment wiesen Zeugen auf einen Angreifer hin, der den Afrikaner verfolgt hatte. Der hielt sich direkt neben der "Roten Flora" auf. Die Polizisten rannten hin und wollten ihn festnehmen. Der Mann wehrte sich heftig. Als er zum Streifenwagen gebracht werden sollte, attackierte eine Gruppe die Polizisten mit Steinen und Flaschen. Die Scheibe eines Streifenwagens ging zu Bruch, eine Polizistin wurde leicht verletzt. Der Festgenommene konnte flüchten. Polizeisprecher Ralf Meyer: "Ein großer Teil der Personengruppe flüchtete danach in die Flora". Aus ganz Hamburg wurden Streifenwagen zum Schulterblatt geschickt. Doch auf das heftige Klopfen der Beamten öffnete niemand in der Flora. Die Polizeiführung alarmierte die Bereitschaftspolizei mit zwei Wasserwerfern. Um 11.40 Uhr hatten die 370 eingesetzten Beamten die Tür aufgebrochen. 13 Verdächtige wurden abgeführt. In einer Presseerklärung nahm die Rote Flora zum Angriff auf die Beamten keine Stellung, behauptete nur: "Trotz vorhandener Schlüssel wurden etliche Türen von der Polizei zerstört und alle Räume durchsucht".