Die Story: Whiskey und Worte - darum dreht sich das Leben des Autors und Alkoholikers Henry Chinaski (Matt Dillon): Er lebt vor sich hin, säuft und schreibt Geschichten, die keiner drucken will. Ab und zu zettelt er eine Prügelei an oder provoziert seine Eltern mit der Ankündigung, er bräuchte jetzt "'nen guten Fick". Über Wasser hält er sich mit Pferdewetten, Arbeitslosenhilfe und miesen Gelegenheitsjobs, in denen er es nie länger aushält als ein paar Tage. Ähnlich geht es ihm mit den meisten seiner zahlreichen Frauenbekanntschaften. Nur an Jan (Lili Taylor) bleibt er zwei Mal ein bisschen länger hängen - er teilt mit ihr Flasche und Bett, sie teilt seine Leidenschaft für Hochprozentiges, Sex und Underdogs. Doch schließlich verlässt er auch sie wieder, um seinen Weg konsequent bis zum Ende zu gehen: "Isolation ist die Belohnung."
Die Schauspieler: Matt Dillon, der uns dieses Jahr bereits in "Herbie Fully Loaded" ordentlich amüsiert und in "L.A. Crash" nachhaltig beeindruckt hat, ist nicht der erste Darsteller, der Henry Chinaski verkörpert, das Alter Ego des US-Schriftstellers Charles Bukowski und der Protagonist aller seiner Romane. Dillon legt die Figur nicht so selbstzerstörerisch an wie Mickey Rourke in "Barfly"; er stattet ihn mit einem ratlosen Gesicht und einer großen Wurstigkeit aus; er gibt sich redlich Mühe, schlurft schwerfällig herum und kratzt sich, als hätte er Filzläuse - doch er wirkt dabei weit weniger überzeugend als Rourke, der die Rolle damals wirklich zu leben schien. Lili Taylor ("High Fidelity") spielt die seelenverwandte Trinkerin zwar mit Mut zur Hässlichkeit, kommt aber auch nicht an Faye Dunaway in "Barfly" heran.
Der Regisseur: Der Norweger Bent Hamer hat den zweiten Roman von Charles Bukowski in langen, ruhigen, ungeschnittenen Einstellungen verfilmt, die eine melancholische Grundstimmung erzeugen und die Einsamkeit der Figuren reflektieren. Mit dem wunderbar lakonischen Humor seines Überraschungshits "Kitchen Stories" hatte Hamer zuvor erfolgreich an die Filme von Aki Kaurismäki ("I Hired a Contract Killer") und Jim Jarmusch ("Broken Flowers") angeknüpft. Doch diesmal will das mit der Lakonik nicht so recht klappen: Nachdem die Hauptfigur keinerlei Entwicklung durchmacht, wird der minimalistische Film länger und länger - und bleibt für Bukowski-Verhältnisse erstaunlich glatt und sauber. Vor allem vermittelt er im Gegensatz zu "Barfly" nicht die subversive Kraft, die in dem Lebensentwurf des Gossenpoeten liegt: sich bewusst abseits der gesellschaftlichen Normen zu stellen und sich den Idealen der bürgerlichen Ordnung, dem Streben nach Erfolg und Wohlstand, radikal zu verweigern.
Fazit: Stoische, minimalistische Verfilmung des zweiten Charles-Bukowski-Romans über einen notorisch betrunkenen Schriftsteller.