Es ist zum Heulen, es ist zum Brüllen, es ist atemberaubend: Mohammed Hanif erzählt mit seinem Debütroman eine Anekdote aus Pakistans trauriger Geschichte. Erzählt sie als tagesaktuelles Polit-Drama und haarsträubende Screwball-Comedy zugleich und sorgt damit für einen Knüller. Als im August 1988 die Maschine von Pakistans Militärherrscher Zia ul-Haq in der Luft explodiert, stirbt nicht nur die halbe Staatsspitze, sondern auch der US-Botschafter. Warum "Pak One" zerfetzt wurde, ist bis heute ungeklärt. Aber man macht sich so seine Gedanken, schließlich hatten alle eine Intrige am Start und diesen Flug im Visier.
War es also der Erfolg des jungen schwulen Offiziers Ali Shigri, des Protagonisten in Hanifs Roman, der sich rächt für seinen vom Regime beseitigten Vater? Oder war es der jüngst geschasste Geheimdienstchef? Der Fluch einer blinden Frau, die nach ihrer Vergewaltigung vom bigotten System auch noch eingesperrt wurde? Der Zorn von Zias Ehe-Matrone zu Hause im Palast? Oder eine Bombe der Mangopflückergewerkschaft, deren Vorsitzender hingerichtet wurde?
Das Pakistan jener Jahre ist ein explosives Jammertal, ein Tollhaus paranoider Politiker, in dem eine schmierige Charge mit Hang zur religiösen Doppelmoral am Ruder ist und die US-Amerikaner nach Herzenslust manipulieren. Das alles ist nicht lustig, aber Hanif schreibt es mit boshafter Lust auf. Und mit Sinn für die tagesaktuellen Folgen - wenn etwa die US-Diplomaten auf der Botschaftsparty mit dem humorfreien saudischen Unternehmer OBL Smalltalk halten, weil der doch so vorbildlich gegen die Sowjets in Afghanistan kämpft.
Man ahnt das ganze weltpolitische Trauerspiel im Mittleren Osten. Aber man hat es selten so turbulent aufgeschrieben erlebt wie in diesem großartigen und großartig übersetzten Roman.