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ROMAN

Plötzlich war es Mord

Ob die Engländerin M.J. Hyland (41) beim Schreiben ihres neuesten Romans an Dostojewskis „Schuld und Sühne“ gedacht hat? Der Eindruck drängt sich auf, geht es in ihrer Geschichte „Wie ein Mord geschieht“ doch um einen jungen Mann, der völlig überraschend mordet und nicht damit klarkommt. Patrick (22) stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Seine Eltern führen ein einfaches, arbeitsames Leben. Als sich herausstellt, dass ihr Sohn richtig was im Kopf hat und die Lehrer ein Studium empfehlen, da wird der Vater regelrecht misstrauisch. Sein Einstellung zu Patrick schwankt zwischen Bewunderung und Missbilligung. Patrick ist fast ein Fremdkörper in seiner Familie.



Aber auch im Studium findet er seinen Platz nicht, kommt nicht mit den Kommilitonen zurecht, fühlt sich als Außenseiter. Als dann auch noch seine Freundin mit ihm Schluss macht, verliert Patrick völlig den Halt. Er sucht sich einen Job als Mechaniker in einem Kaff an der englischen Küste – und auch dort fühlt er sich ausgegrenzt und minderwertig. In einem plötzlichen Anfall der Wut erschlägt er einen von ihm sehr bewunderten Mitbewohner, der ein Frauenschwarm ist und den einfach alle mögen. Patrick landet mit einer Mordanklage am Hals im Gefängnis.



Hylands Roman hätte das spannende Psychogramm eines Täters werden können. Doch dafür ist die Autorin nicht tief genug in seine Beweggründe und sein Gefühlsleben eingestiegen. Sie erzählt überhaupt nur sehr wenig über das, was in Patrick vorgeht. Aber vielleicht ist das echter Realismus. Vielleicht beschäftigen sich die Täter im Gefängnis vor allem damit, ihre Schuld zu leugnen und sich selbst leid zu tun. Patrick jedenfalls sieht sich als Opfer, und das gibt er seinem Anwalt klar zu verstehen: „Ich wollte ja nicht, dass er stirbt. Und ich kann ihnen gleich sagen, dass ich mich auf keinen Fall zu irgendwas schuldig bekennen werde.“ Worte der Reue kommen ihm nicht über die Lippen.



„Wie ein Mord geschieht“ ist alles in allem etwas zu vorhersehbar und linear. Trotzdem ist er sehr kurzweilig, und Hyland kann einfach gut schreiben.









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Datum:  11.3.2010
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