Da trifft man einen Menschen, plumpst Hals über Kopf in die Liebe und hat das Gefühl: „Das Schicksal hat uns zusammengeführt!“ Hach, schön. Wie oft das Schicksal in den Jahren zuvor gepennt hat, ahnt man natürlich nicht. Dass sie ihr Leben lang ganz knapp aneinander vorbeigeschrammt sind, ahnen auch Mark und Simone nicht, diese beiden füreinander bestimmten Königskinder, die 1970 am selben Tag in Barmbek zur Welt kommen. Gernot Gricksch zaubert aus der charmanten Schicksalsidee einen Roman, der, nun ja, man muss es so sagen: glücklich macht.
Der Autor lässt seine Königskinder abwechselnd ihr Leben erzählen, Simone fängt an, und zwar ganz am Anfang, 1970: „Meine Mama befand sich gerade im Hamburger Stadtpark, als ich meine erste energische Attacke in Richtung Geburtskanal startete. Sie stand auf der Wiese nahe dem Planetarium und machte Tai-Chi.“ Ja, Simone wird ein Hippie-Kind.
Ganz anders Mark: Sein penibler Vater bringt seine schwangere Frau samt Klarsichtmäppchen mit allen Unterlagen ins AK Barmbek – wo die Königskinder sich das erste Mal hätten treffen können: „Das ist doch die Verrückte aus dem Stadtpark“, staunt Marks Vater, als Simones Hippie-Mutter über den Flur geschoben wird.
Vierzig Jahre lang begleitet Gernot Gricksch seine Hamburger Königskinder durch ihr Leben – und jeder Leser, der rund um 1970 zur Welt gekommen ist, wird immer wieder denken: „Ja! So war das! Matthias Rust auf dem Roten Platz, Gorleben, die Scorpions – herrlich.“ Ein abenteuerliches Leben mit Liebe, Freundschaft, Frust und Polizeieinsätzen gönnt der Autor seinen Helden, und immer wieder lässt er sie haarscharf aneinander vorbeistolpern. Vorsicht: Einmal angefangen, hört man nicht mehr auf. Wer dieses Buch nicht liebt, der hat kein Herz.