Als Pfarrer Heinrich Plochg seinen letzten Aufruf des Tages zu Ende gesprochen hatte, verwandelten sich die zuvor einzeln verdrückten Tränen zu Sturzbächen der Trauer.
"Ich möchte euch bitten, euren Mannschaftskapitän ein letztes Mal aus diesem, seinem Stadion zu begleiten", rief der Geistliche den Profis von Hannover 96 zu. Unter dem Applaus der 40000 Trauergäste und zu den Klängen des Songs "The Rose" trugen die weinenden Kollegen den Sarg des verstorbenen Robert Enke aus dem Mittelkreis der AWD-Arena.
Das Ende einer Gedenkfeier, die im Zeichen tiefer Erschütterung und Trauer stand. Und einer Fassungslosigkeit, die auch sechs Tage nach dem Selbstmord des Torhüters nicht im Ansatz gewichen ist.
Deutschland und die Welt haben Abschied genommen. Zehntausende in der Arena, mehrere hunderttausend vor den TV-Schirmen. Ein bewegender Vormittag, einer, der dem Schmerz, der Verzweiflung, aber auch der Hoffnung auf Veränderung gerecht wurde.
Nahezu alles, was im deutschen Fußball Rang und Namen hat, war nach Hannover gekommen, um weiterhin Unbegreifliches gemeinsam fassen zu können. Es blieb bei dem Versuch. 80 Minuten lang herrschte eine andächtige, aufwühlende, manchmal gespenstische Stimmung in der Arena. "An dem Ort, an dem Robert Enke unsere Herzen gewonnen hat", so Hannovers Klubpräsident Martin Kind in seiner Rede.
Um 8.30 Uhr hatten sich die Pforten geöffnet, zügig füllten sich die Sitzreihen. Nichts war zu spüren von der Hektik, die die Besucher ansonsten bei Heimspielen ihrer "Roten" antreibt. Und wer nicht begriff, wurde belehrt. "Überleg dir mal, was das hier ist", herrschte eine Mutter ihr Kind an, das voller Freude seinen Vater begrüßte. Nur eben etwas zu laut. Hannover ist seit dem Abend des 10. November eine Stadt der Stille.
Das änderte sich um 10 Uhr, eine Stunde vor Beginn der Zeremonie. Gestützt von einer Freundin betrat Teresa Enke den Rasen und verweilte am Sarg ihres verstorbenen Mannes. Beifall brandete auf. Den erhielt auch die Nationalmannschaft, die um 10.45 Uhr geschlossen in den Mittelkreis ging, um von ihrem Teamkollegen Abschied zu nehmen. Alle Spieler verneigten sich, Kapitän Michael Ballack und der Ur-Hannoveraner Per Mertesacker legten im Namen des DFB einen Kranz nieder.
Was folgte, waren knapp anderthalb von tiefer Trauer geprägte Stunden. Martin Kind, DFB-Präsident Theo Zwanziger, Niedersachsens Landesvater Christian Wulff und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil stellten in ergreifenden Reden immer wieder die Betroffenheit, aber auch den Wunsch nach einem Umdenken in der Bevölkerung heraus.
Insbesondere Zwanziger berührte die Seelen aller Anwesenden. Mehrfach erhoben sich die Trauergäste von ihren Sitzen, um ihn mit stehenden Ovationen zu bedenken. Fußball-Anhänger in der ganzen Welt konnten sich via TV ein Bild davon machen, welch großen, feingeistigen Mann Deutschlands Fußball-Bund an seiner Spitze weiß.
Teresa Enke verfolgte all die aufmunternden, aber auch bedrückenden Worte der Redner mit gesenktem Haupt. Jörg Neblung, Berater ihres Mannes, und Enkes bester Freund Marco Villa (früher wie Robert Profi in Mönchengladbach) rahmten sie ein, hielten sie fest, spendeten während der Zeremonie immer wieder Trost.
Die Bewunderung und das Mitgefühl aller waren spürbar, als Teresa Enke um 12.10 Uhr das Stadion verließ. Zum Abschied flimmerten Bilder der Karriere ihres Mannes zu den Klängen von "You'll never walk alone" über die Videoleinwände.
Es gab viele emotional erdrückende Momente an diesem Vormittag. Die 17 Jahre alte Schülerin Alina Schmidt berührte die Herzen der Menschen mit der von ihr gesungenen Klubhymne "96, alte Liebe". Nicht fetzig-rockig, wie sonst, sondern nur begleitet von zwei Gitarren. "Wir danken dir, du hast uns viel gegeben. Du bist der Mittelpunkt in unserem Leben", heißt es in dem Lied. Eine Ode an die "Roten", so war es jahrelang. Wer das Lied künftig singt, wird Robert Enke gedenken.
Nichts ist in Hannover noch so, wie es einmal war. Bundesweit wird der Verein künftig von einer Welle der Sympathie und Anteilnahme begleitet werden. Weil das Symbol 96 für Robert Enke steht. Hamburg hat Uwe Seeler, München "Kaiser" Franz, Kaiserslautern ist die Stadt Fritz Walters und Köln verehrt Wolfgang Overath. Hannover aber ist Enke. Über sein Ableben hinaus. "Es war ein Geschenk, dass Robert Enke einer von uns war", sprach Martin Kind zu den Trauernden. "Leider viel zu kurz."
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?