DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke, Teammanager Oliver Bierhoff sowie Nationalmannschaftskapitän Ballack erwiesen am Mittwochabend ihrem toten Freund und Mitspieler in der überfüllten Marktkirche von Hannover die Ehre. Rund 800 Menschen drängten sich in das Gotteshaus, um der Andacht von Landesbischöfin Margot Käßmann zu folgen.
Auch TV-Entertainer Oliver Pocher, bekennender 96-Fan und Enke-Freund, war mit Freundin Sandy Meyer-Wölden unter den Trauergästen und weinte bittere Tränen. Auf der Homepage von Robert Enke schrieb er: „Nicht nur die Tatsache, dass Robert tot ist, sondern auch die Umstände machen mich fassungslos. Mit Roberts Tod verliert nicht nur Hannover 96 und der Fußball einen außergewöhnlichen Sportsmann, sondern die Welt einen großartigen Menschen, Ehemann und Vater.“
Vor der Kirche standen noch mehr als 3000 Menschen, sie hatten in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Gotteshaus keinen Einlass mehr gefunden. Viele waren in Vereinskluft, mit 96-Trikots und Fanschals gekommen.
Selbst aus Dortmund waren Fans spontan angereist. Die Kirchenglocken läuteten, weit war ihr Klang zu Ehren des „96-Helden“ Enke zu hören. Tief bewegt und mit Tränen in den Augen zündeten auch Ballack, der Enke seit dem 13. Lebensjahr kannte, und Löw Kerzen für den einstigen Teamkollegen an.
Nach der Andacht fanden sich fast 10 000 Menschen zum Trauermarsch zusammen. Leise und in Gedanken bei Enke marschierten sie vom Kröpcke-Platz zum Nordeingang der AWD-Arena. An der Spitze trugen unter anderem 96-Manager Jörg Schmadtke, Trainer Andreas Bergmann und der frühere Nationalspieler Hans Siemensmeyer ein schwarzes Banner mit der Aufschrift „Ruhe in Frieden“ sowie einem Konterfei von Enke. An der AWD-Arena lagen 18 Kondolenzbücher aus.
„Hinter Beliebtheit und Erfolg kann es auch abgrundtiefe Einsamkeit und Verzweiflung geben“, sagte Käßmann in ihrer Predigt. „Leid, Schwäche und Krankheit sind Teil unseres Lebens. Dafür darf es keine Pfiffe geben, sondern Empathie und Mitleid.
Wie traurig ist es, nicht über Depressionen sprechen zu können, weil das unserer Gesellschaft als Schwäche angesehen wird.“ Robert Enke habe nicht gewollt, dass andere ihm in diesen Weg folgen. „Er hat das Leben geliebt“, sagte Käßmann und schloss mit den Worten der weltweit in den Stadion beliebten Fußball-Hymne: „You„ll never walk alone - nein, du gehst nicht allein.“
Für Zwanziger ist es „wichtig, was die Bischöfin gesagt hat. Wir müssen jetzt innehalten.“ Seine Gedanken seien in diesem Moment aber auch bei dem Zugführer. Enke, der seit Jahren an schweren Depressionen litt, hatte sich am Dienstagabend vor einen Zug geworfen und Selbstmord begangen.
Der katholische Pfarrer Heinrich Plochg, der die Fürbitte hielt, zeigte Torwarthandschuhe, die Enke ihm nach einem Spiel geschenkt hatte. „Ich habe am Sonntag noch hinter dem Tor gesessen. Es ist ein großer Verlust nicht nur für die Familie.“
Enkes Frau Teresa, die als Erste eine Kerze entzündete, kam in Begleitung von Enkes Eltern sowie Enke-Manager und Freund Jörg Neblung. „An dieser großen Anteilnahme sieht man, was Robert Enke den Menschen bedeutet hat.
Er hatte nicht nur in Niedersachsen eine große Bedeutung“, sagte Karl Rothmund, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.
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