Das Fazit vorweg: Mit herkömmlichem Essen hat das gleichermaßen alles wie nichts gemein. Alles, weils tatsächlich ums Essen geht. Um Produkte der Saison ohne Tamtam, sagt Chef Andreas Caberlo. Und nichts, weil das Essen aus der Reihe tanzt: Statt drei bis fünf Gänge gibts neun (34 Euro) oder zwölf (40 Euro) kleine "Caberlos", die nur selten auf Tellern kommen - eher auf Schiefertafeln, in Gläsern oder Schälchen.
Aber der Reihe nach. Denn zuerst einmal muss man das neue Restaurant am Ausschläger Weg überhaupt finden. Unauffällig schmiegt es sich an Bank- und Industriegebäude. Zurückhaltend ist auch das Interieur: In der Bar werden wir willkommen geheißen und in den schlichten Speiseraum geführt. Schnell wird klar: Wir sind hier bestens aufgehoben.
Auf den Tischen liegen Papierstreifen, darauf stehen zwölf wöchentlich wechselnde "Caberlos". Für "Häppchen" sind die preislich happig - aber ausnahmsweise ... Wir wagen das Dutzend und nehmen dazu den Grünen Veltliner "Ried Zeiseneck" (22 Euro) aus der von Weißen und leichten Roten dominierten Karte. Bevors losgeht, rät der Chef: "Probieren Sie und schaun Sie, was das Essen mit Ihnen macht." Wir probieren: Hokkaido-Gorgonzola-Mousse gefolgt von Kohlrabicarpaccio. Was es mit uns macht? Wir wollen in die Küche, Schüsseln auslecken! Ein kulinarisches Kunststück ist auch "Die Köstliche aus Charneux mit Bohnen und Lammfilet", eine Art fantastisches "Birnen, Bohnen, Speck".
Neun "salzigen" Gerichten folgen zwei süße plus Käse. Drei Stunden dauert das, und wir sind wohlig satt statt kugelrund. Zwischendurch kommt der Meister an den Tisch, fragt nach und lässt fragen. Und zum Schluss sagt er: "Ich mach mein Ding, und eines Tages ist das Restaurant hoffentlich voll." Dem ist nichts hinzuzufügen.