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REITBROOK

Unsere Nachbarn, die Ex-Junkies

Seit Wochen schlagen in Wandsbek die Wogen hoch. Dort wehren sich Eltern von Schülern zweier Gymnasien und Grundschulen gegen die Einrichtung einer Suchtklinik, die sie polemisch "Drogenklinik" nennen. Die Angst vor Spritzen und Dealern ist groß. Und das, obwohl in dem Gebäude an der Schädlerstraße nur Abstinente behandelt werden sollen, Menschen also, die den Drogen längst abgeschworen haben. Was in Wandsbek für Angst sorgt, ist in Reitbrook seit Jahren Normalität. Dort gibt es eine ähnliche Einrichtung - und keine Probleme.



Auch das Projekt "Jork" gehört wie die Wandsbeker Klinik zum Verein "Jugendhilfe". Es ist seit mehr als 25 Jahren in der alten Schule Reitbrook untergebracht, einem unauffälligen roten Backsteinbau direkt am Deich. Elf Menschen leben zurzeit hier unter Aufsicht von zwei bis vier Betreuern. Elf Männer und Frauen im Alter zwischen 25 und 51 Jahren. Sie essen gemeinsam, machen Sport und lernen in Therapiestunden, wie man sich bei Behördengängen zu verhalten hat, an einem künftigen Arbeitsplatz und wie man sich am besten vor einem Rückfall schützt.



"Die Rückfallquote liegt bei 32 Prozent", sagt der behandelnde Arzt Ulrich Kreye. Allerdings bedeute das fast immer Alkohol. "Es hat hier noch nie einen Rückfall mit intravenösen Drogen gegeben." Genau solche Rückfälle befürchten aber die Wandsbeker.



Warum das für sie nicht in Frage kommt, erklärt Bewohnerin Eva Becker (38), die zehn Jahre lang crack- und kokainabhängig war. "Ich will wieder auf meine eigenen Beine kommen, weil ich eine kleine Tochter habe. Sie wurde mir weggenommen. Ich will wieder für sie da sein."



Michael F. hat bei "Jork" nach jahrelanger Heroin-, Kokain und schließlich "nur" noch Alkohol- und Canabissucht sein Selbstwertgefühl wieder gefunden. "Ich hab mich in den letzten Jahren immer nur in meiner Wohnung versteckt. Jetzt fange ich bald wieder an zu arbeiten." Der 51-Jährige träumt von einer eigenen Wohnung und davon, eine Frau zu finden. Ähnlich geht es seinem Mitbewohner Olli D. (34). "Ich hab acht Jahre lang Crack und Heroin geraucht, nie gespritzt. Vor Spritzen habe ich Angst." Irgendwann habe er gemerkt, dass er nur noch fremdgesteuert war. Dass sich alles nur noch um die Drogen drehte. D. zog die Reißleine. "Ich bin freiwillig hier. Das Kapitel Drogen habe ich abgehakt. Ich bin froh, dass es solche Einrichtungen gibt, die uns helfen."



Die Nachbarn haben Verständnis. Rentnerin Gisela Lagrain: "Es gibt keine Probleme. Man trifft die Leute selten." Schulsekretärin Marlene Behrens (57): "Manchmal treffe ich sie im Bus. Sie sind nett und höflich. Dealer kommen hier nicht her, das würde ich sehen." Und Rentner Jürgen Mehrmann (74) ergänzt: "Wo sollen die Leute denn sonst hin?"

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Datum:  29.7.2009
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