Was ist grün, blubbert und müffelt nach Meer? Die Rettung der Welt! Genauer: eine Algenzucht. Gestern ging in Reitbrook Europas erste Versuchsanlage für die Produktion von Mikroalgen in Sonnenkollektoren an den Start. Das schöne an dem grünen Glibber: Er futtert das Klimagas CO2 und macht daraus Biomasse.
Und die soll in Zukunft zu Algendiesel und Biogas werden - oder das Öl in Lippenstiften ersetzen und als Schweinefutter dienen. "Die Algen arbeiten quasi im Senatsauftrag, um den Klimaschutz zu verbessern", sagte Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk. Ihre Behörde steuert 500000 Euro zu dem zwei Millionen Euro teuren Projekt von E.on, der Uni Hamburg, der TU Harburg und einiger weiterer Unternehmen bei. Eine ähnliche Anlage gibt es derzeit nur in den USA.
Die für das hiesige Klima perfekt angepasste Superalge trägt sogar den Namen der Stadt: "Chlorella hamburgensis". "Sie wächst deutlich schneller als jede andere Pflanze und ist zehn Mal produktiver als die produktivsten Feldpflanzen", so Dieter Hanelt von der Uni Hamburg.
Ob die schöne, neue Algenwelt auch Wirklichkeit werden kann, wird in den kommenden Jahren in Reitbrook (Vier- und Marschlande) getestet. Die Algen schwimmen dafür in Kollektoren, durch die CO2 aus den Abgasen eines benachbarten Kraftwerks blubbert. Das Licht regt den Appetit der Organismen an. Sie lassen sich dann die Klimagase schmecken. Auf einem Hektar, also etwa einem Fußballfeld, entstehen jetzt 800 bis 1000 "Algenreaktoren". 400 Tonnen CO2 sollen jährlich zu Biomasse werden. Das ist immerhin die Menge, die ein Airbus A380 auf zehn Hin- und Rückflügen nach New York in die Atmosphäre pustet.
Doch vielleicht fliegt gerade dieser Airbus bald mit Algen-Kerosin (siehe Interview). Ist das Projekt erfolgreich, soll die Zucht in industriellem Maßstab beginnen. E.on-Vorstand Bernhard Fischer: "Wir zeigen hier, dass sich Algen zu mehr eignen als für Sushi. Das Klimagas CO2 wird zum Rohstoff der Zukunft."