Seit 15 Jahren sorgt der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen in Hollywood für Kassenknüller. Heute startet sein Katastrophen-Thriller "Poseidon" um einen Schiffsuntergang in unseren Kinos.
MOPO: Was fasziniert Sie so am Wasser?
Wolfgang Petersen: In Emden geboren, in Hamburg aufgewachsen - muss ich noch mehr sagen? Ich liebe Wasser, ganz einfach. Andererseits hatte ich stets großen Respekt vor der gewaltigen Zerstörungskraft des Wassers - eine unerschöpfliche Quelle für Filmdramen. Doch ich glaube nicht, dass ich noch einen vierten Film über das Meer drehen werde.
MOPO: Wie wäre es dann mit einem Drama in den Bergen?
Petersen: Völlig ausgeschlossen. Keiner wird mich je dazu bringen, auf einen Berg zu klettern - ich habe enorme Höhenangst. In den Bergen mutiere ich zu einer Art Woody Allen mit Panikattacken.
MOPO: Glauben Sie, dass Sie in einer Katastrophensituation wie in "Poseidon" eher ein Held oder ein Feigling wären?
Petersen: Ich glaube nicht, dass ich der große Held wäre. Jedenfalls würde ich wohl kaum die Initiative ergreifen, denn ich bin in praktischen Dingen nicht sonderlich begabt. Also würde ich wahrscheinlich herumsitzen und auf Rettung warten - das heißt, ich wäre eine total unattraktive Filmfigur! Aber das ist ja das Schöne am Kino: Dass man sich seine Helden erschaffen kann.
MOPO: Sie haben Ihren Schauspielern in "Poseidon" mal wieder einiges abverlangt ...
Petersen: Ja, ich fürchte, ich bin ein Perfektionist, und ich verlange von meinen Darstellern immer, dass sie alles geben. Doch ich war selbst mal Schauspieler - wenn auch kein besonders guter - und weiß, wie anstrengend das ist. Dementsprechend behandle ich sie mit großem Respekt. Bei mir am Set herrscht immer ein hoher Adrenalinpegel, aber nie eine fiese Anspannung. Ich schreie meine Schauspieler auch nicht an - denn wer das tut, der riskiert, dass sie sich verschließen wie eine Auster. Humor und Lockerheit sind für mich beim Drehen sehr wichtig.
MOPO: Stimmt es, dass Sie jeden Tag spätestens um 18.30 Uhr aufhören zu drehen, damit alle rechtzeitig zum Abendessen zu Hause sind?
Petersen: Das ist nicht der einzige Grund. Ich halte nichts davon, die Leute zu überfordern. Wenn man um 7 Uhr beginnt, ist es unsinnig, abends um zehn immer noch zu drehen - dabei kommt nichts Vernünftiges mehr raus. Lieber organisiere ich meine Arbeit besser und drehe schneller.
MOPO: Und was hat es mit der legendären Suppenpause um 11 Uhr auf sich, von der Ihre Crew so schwärmt?
Petersen: Wenn man vor dem Dreh um halb sieben frühstückt, bekommt man spätestens um elf wieder Hunger und kann sich nicht mehr richtig konzentrieren. Also habe ich mal damit angefangen, dem ganzen Team Suppe kochen zu lassen. Erst hielt man mich für verrückt. Inzwischen gibt es bei mir am Set jeden Tag drei verschiedene Suppen. Als ich diesen Brauch bei meinem Dreh zu "Troja" in England einführen wollte, bekam ich erst zu hören: "Das brauchen wir hier nicht. Der Fünf-Uhr-Tee genügt uns." Aber zwei Wochen später reichte die Schlange der Hungrigen schon um den ganzen Block!