MOPONews
News

Reden als Kraftakt

Ein grimmiger Prediger

Zweieinhalb Stunden reden ohne Punkt und Komma, ohne einen Schluck Wasser zu trinken - und ohne auch nur eine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen. Was Henry Rollins am Montagabend auf Kampnagel bot, war ein Spoken-Word-Auftritt als Hochleistungssport.



Ein Erzählabend mit Polit-Satire und Schwänken aus seinem Leben: Dass der 45-Jährige sich auch hier alles abverlangt, war absehbar. Rollins ist ein grimmiger Prediger der Selbstzucht, der "Spaß" und "Zufriedenheit" mit Trägheit und Verblödung gleichsetzt: So ist es zwar wenig überraschend, aber beeindruckend, wie er das Publikum in seinen Bann zieht und 150 Minuten lang in Spannung hält.



Rollins muss die Zuschauer nicht mit Gimmicks wie Video-Einspielungen bei der Stange halten. Er verzichtet auf alles, was von der wichtigsten Sache ablenken könnte: seiner Person, seiner Meinung, seinem Leben. Der stiernackige Bodybuilder redet mit seinem ganzen Körper: Er steht allein im grellweißen Scheinwerfer, grimassiert, gestikuliert und füllt die leere Bühne mit seiner Präsenz vollkommen aus.



Thematisch steht vor allem der Alltag auf der Tagesordnung. Und darin zeigt sich seine größte Stärke: Seine Kritik liegt in den Details, in denen er mit mikroskopischem Blick das Absurde und Lächerliche erkennt. Etwa in der Geschichte, wie er auf einem Flughafen in Australien unter Terrorismusverdacht gerät, weil er ein Buch über den Dschihad liest. "Ich bin kein harter Kerl", erklärt der tätowierte Zwei-Zentner-Mann seine heftige Reaktion auf die Fragen des Sicherheitspersonals, "aber ich habe einen starken Überlebenswillen, und wenn ich mich bedroht fühle, dann drehe ich einfach durch!" Offensichtlich keine Selbstoffenbarung, sondern ein Seitenhieb auf die amerikanische Terror-Hysterie. Dass Rollins bei all seiner derb-komischen Selbstdarstellung immer noch solche subtilen Zwischentöne setzt, macht den Reiz seiner Performances aus. Ein Reiz, dem man sich einfach nicht entziehen kann.

Weitere Meldungen News
Stefanie Hertel und Sergiy Plyuta sind im Halbfinale ausgeschieden.

Die 32-Jährige erhielt am Mittwochabend in der zehnten Show der Staffel von der Jury die wenigsten Punkte der verbliebenen drei Promi-Kandidatinnen.  mehr...

Da wusste er schon Bescheid: Norbert Röttgen am Mittwoch auf dem Weg zur Kabinettssitzung.

Nur drei Tage nach seiner katastrophalen Niederlage bei der Wahl in NRW feuerte Kanzlerin Angela Merkel auf einer überraschenden Pressekonferenz den Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Sein Nachfolger wird Peter Altmaier.  mehr...

Zu welcher Promi-Frau gehört wohl dieser wohlgerundete Po?

Am Mittwoch veröffentlichte das US-Magazin „Forbes“ seine alljährliche Liste der 100 „mächtigsten Berühmtheiten der Welt“. Und wer hat es da auf den begehrten Platz eins geschafft? Hier wird's verraten!   mehr...

Datum:  22.3.2006
Empfehlen: E-Mail
Kontakt: Redaktion
Artikel: Drucken
Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“