Die rechtsextremistische NPD ist in Hamburg auf dem Vormarsch: Die Mitgliederzahl stieg in den vergangenen Jahren um mehr als 40 Prozent, von unter 100 auf rund 140 Personen. Vor allem die Öffnung zu Neonazi-Kameradschaften wie den sogenannten Freien Nationalisten habe diese Entwicklung befördert, sagte Verfassungsschutzchef Heino Vahldieck. Zudem agieren die Rechten offensiver und aggressiver.
Das zeichne sich "seit etwa drei bis vier Jahren deutlich ab", sagte Vahldieck. Im Gegensatz zu früher wichen die Rechten direkten Konfrontationen, etwa mit der Antifa, nicht mehr aus. "Wenn die Kräfteverhältnisse es erlauben, wird heute die Auseinandersetzung in Kauf genommen und dann auch mit erheblicher Aggressivität", sagte Vahldieck.
Physische Angriffe gegen politische Gegner oder Repräsentanten des Staates, wie im Falle des Passauer Polizeichefs Alois Mannichl, seien in Hamburg bislang jedoch noch nicht festgestellt worden.
Doch "die Zeit des Versteckens ist vorbei", sagte Vahldieck. "Öffentlichkeit wird nicht mehr wie in der Vergangenheit gemieden, sondern geradezu gesucht." Im zurückliegenden Jahr habe auch die Zahl der rechtsextremen Straftaten zugenommen. Verantwortlich waren auch die schweren Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und linken Kräften am 1. Mai in Hamburg gewesen. Überwiegend handle es sich bei rechten Straftaten aber um sogenannte Propagandadelikte, etwa das Zeigen verbotener Symbole.
Dazu kommt noch, dass aus Hamburg drei der führenden deutschen Rechtsextremisten stammen: NPD-Vize Jürgen Rieger, Demo-Organisator Christian Worch und Thomas Wulff, der Kopf hinter dem Konzept der "Freien Kameradschaften".