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REALSATIRE

BORAT

Was für eine Werbung! Da sieht sich etwa die kasachische Regierung genötigt, in Presseerklärungen zu verlautbaren, dieser Film diffamiere ihr Volk. Und ihr Botschafter in London verleiht seinem Unmut über die Kunstfigur Borat Ausdruck, indem er sie in einem Beitrag für den "Guardian" als "ein Schwein von einem Mann" bezeichnet.



Oberflächlich betrachtet ist die Empörung sogar verständlich. Denn Sacha Baron Cohen, besser bekannt als sein anderes Alter Ego "Ali G", porträtiert in der Rolle des kasachischen Reporters Borat die Bewohner der ehemaligen Sowjetrepublik als hoffnungslos hinterwäldlerisch, schwulenfeindlich, sexistisch und antisemitisch. Allerdings auf so grotesk überzogene Weise, dass im Grunde bei niemandem Zweifel aufkommen können, es mit Satire zu tun zu haben. Auf den Schlips getreten fühlen müssten sich eigentlich eher die "US und A". Auf seiner Reise durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, bei der er als falscher Journalist viele Begegnungen mit echten Amerikanern hatte, fördert Baron Cohen manch Unerquickliches zu Tage.



Borat Sagdiyev verlässt sein Heimatdorf, um vorgeblich in offiziellem Auftrag "kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation Kasachstan zu machen". Mit dabei hat er seinen korpulenten "Produzenten" Azamat (Ken Davitian), ein lebendes Huhn, ein Glas Zigeunertränen zum Schutz vor Aids und ein paar haarsträubende Ansichten, mit denen er gern ahnungslose Gesprächspartner konfrontiert. Nachdem er Pamela Anderson zufällig in einer "Baywatch"-Folge sieht, entschließt sich der Spontanverliebte zu einem Trip von New York nach Kalifornien, um ihr einen kasachischen Hochzeitssack überzustülpen.



Was er unterwegs erlebt, ist manchmal einfach nur zum Brüllen komisch. Etwa wenn er einen Humortrainer oder die vornehme Gesellschaft eines Benimm-Kurses zur Verzweiflung treibt. Öfter bleibt einem allerdings das Lachen im Hals stecken. So wird Borat auf der Suche nach einer Waffe, "mit der man sich am besten gegen Juden verteidigen kann" (Baron Cohen ist selbst Jude), bereitwillig bedient. Und bei den aufgeputschten Zuschauern eines Rodeos erntet er frenetischen Beifall, als er sich quasi den Tod aller Iraker wünscht. Sobald er aber die amerikanische Nationalhymne textlich verhunzt, kippt die Stimmung.



Man muss den Mut bewundern, mit dem sich der britische Komiker freiwillig in solche Situationen begibt. Die Masche, mit der er als vorgeblicher Vertreter Kasachstans auf seine Mitmenschen zugeht, ist stets gleich: Er gibt sich betont dumm und lässt naiv-charmant politisch völlig unkorrekte Statements vom Stapel. So kitzelt er aus seinen "Opfern" mitunter das Schlechteste heraus, wobei sie sich dann selbst als Rassisten, Sexisten oder Schwulenfeinde entlarven.

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Datum:  2.11.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen