Ein NPD-Flugblatt an einem Streifenwagen - prompt war Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger (62) erneut im Visier von Staatsanwaltschaft und Staatsschutz. Wegen der volksverhetzenden Parolen auf dem Flyer durchsuchten Ermittler das Haus des Vizebundesvorsitzenden der NPD - und fanden ein funktionstüchtiges Sturmgewehr aus dem Zweiten Weltkrieg!
Bereits am 17. Februar hatten Beamte an einem Streifenwagen und im Eingangsbereich der Wache an der Wedeler Landstraße (Rissen) die Flugblätter der Hamburger NPD entdeckt. Der Tenor: "Kriminelle Ausländer ausweisen! Überfremdung stoppen!"
In dem Wisch nimmt die NPD Bezug auf einen 16-Jährigen, der vor zweieinhalb Wochen gefasst wurde. Ahmad F. hatte in Rissen und Blankenese acht alte Damen (74-93) überfallen, drei schwer verletzt (MOPO berichtete).
Da der Inhalt des Flugblattes zu Hass gegen Ausländer anstacheln könne, leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen der Verbreitung von Schriften mit volksverhetzendem Inhalt ein.
Am Freitag, drei Tage nachdem die Beamten die Flugblätter gefunden hatten, wurde die Blankeneser Wohnung von Rieger, der bereits wegen Volksverhetzung verurteilt ist, durchsucht. Nur die Tochter des Neonazi-Anwalts war zu Hause. Es wurden Flugblätter sichergestellt - und ein "Sturmgewehr 44"! Eine automatische Waffe, die 1943 bei der Wehrmacht eingeführt wurde. "Wir prüfen einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz", sagt Polizei-Sprecher Ralf Meyer. Das Sturmgewehr dürfe Rieger nur besitzen, "wenn es ein Museumsstück wäre", so Meyer. Es funktioniere aber noch.
Auch die Bramfelder Wohnung des Neonazis Jan Holthusen (32) und die Wohnung von Tobias Thiessen (38), unter anderem Angehöriger des "Kameradenkreises Neonazis in Hamburg", in Alveslohe (Kreis Segeberg) wurden durchsucht und Beweismaterial sichergestellt.
Die Abteilung "Politisch motivierte Straftaten" des Landeskriminalamts übernahm die Ermittlungen.