Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Deutsche Lehrerverband Hamburg (DLH) sind sich ausnahmsweise einig, was die Hamburger Schulstrukturreform anbelangt. Sie sind nicht unbedingt gegen die auf sechs Jahre verlängerte Grundschule, die Primarschule, sondern gegen die unausgegorene Schnelligkeit.
Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen stehen unter den 16 deutschen Bundesländern immer ganz oben, wenn es um Schul- und Schülerleistungsvergleiche geht, obgleich sie am wenigsten in den vergangenen Jahren verändert haben. Es gibt offenbar nur zwei Möglichkeiten: Entweder man belässt es mit dem Lernen der Schüler so, wie es immer war. Dann können sich Lehrkräfte, Eltern, Schüler, Betriebe und Hochschulen auch sehr genau darauf einstellen.
Oder man macht die Schulen auf einen Schlag modern, wie es Schweden und Finnland taten. Hunderte von Reförmchen mit einer Fülle von Kompromissen lassen die mittlerweile weltweit im Schnitt ältesten Lehrkräfte, nämlich die Hamburger, aber nur atemlos.
Jeder neue Schulsenator wollte schnell mit neuen Gesetzen seine Marken hinterlassen: Mit dem Lehrerarbeitsmodell, neuen Bildungsplänen, neuen Strukturen bei Lehrerausbildung, den Lernentwicklungsberichten und der Beurteilung der Lehrkräfte durch die Schulleitungen, mit dem Umbau der Schulen für Verhaltensgestörte und nun dem Umbau der Schulstruktur zu Ganztagsschulen, zu Vorschulklassen plus Primarschule, Stadtteilschulen und Gymnasien sowie den deutschsprachigen Tests für alle Vierjährigen hat sich zunächst mehr Rück- als Fortschritt ergeben, und das vor allem auf der Seite der Lehrermotivation.
Insofern haben die Lehrerverbände recht: Wenn Schule und Lernen verändert werden, dann bitte von unten her und langsam, und dann muss man erst die Eltern mitnehmen, sodann in das Bauliche und in die Ausstattung investieren und dann in die Lehreraus- und -fortbildung, und zwar bevor die Schulstruktur gewandelt wird!
Prof. Dr. Peter Struck, Autor des Buchs "Lernen, lernen", 128 S., Primus-Verlag, 14,90 Euro von der Fakultät für Erziehungswissenschaft beantwortet Ihre Fragen. E-Mail: erziehung@mopo.de
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