Nur wenige arme Kinder leben in Dänemark, Schweden, Finnland und in Österreich. In Dänemark sind nur 2,7 Prozent, in Österreich nur 6,2 Prozent der Kinder von Armut betroffen. Die meisten armen Kinder gibt es laut OECD-Studie in der Türkei (24,6 Prozent) und in Polen (21,5 Prozent). In Deutschland sind es 16,3 Prozent.
Deutschland gibt für jedes Kind von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr etwa 100000 Euro aus; nur dieser Betrag sagt nichts darüber aus, wie viel davon beim einzelnen Kind auch wirklich ankommt und wie es sich auf Arme und Reiche verteilt.
Deutschland geht da mehr oder weniger mit dem Gießkannenprinzip vor, während die skandinavischen Länder mehr Geld für arme Kinder als für reiche ausgeben. Im Übrigen ist noch wichtig, in welchem Alter das jeweilige Land mit den Zuwendungen beginnt. In Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark wird sehr viel Geld im vorschulischen Bereich investiert, in dem in Sachen Bildung und Erziehung noch vieles ganz einfach gerichtet werden kann, während in Deutschland nur wenig Geld vom Staat her in die frühkindliche Erziehung investiert wird. Deutschland setzt mehr auf eine teure, nachgereichte "Reparatur" als auf das günstigere Investieren in Präventionsmaßnahmen, und Deutschland gibt für Hauptschüler und jüngere Kinder wesentlich weniger Geld aus als für Gymnasiasten und ältere Schüler.
Die OECD wirft Deutschland also ein zu hohes Maß an "Bildungsarmut-Teufelskreisen" vor. Das Geld werde nicht sinnvoll so investiert, dass es vor allem da ankommt, wo es am nötigsten ist, nämlich in den Ausgleich von familiär bedingten Defiziten und in die Vorbeugung gegen das Scheitern in schulischen und sozialen Entwicklungsprozessen. Kann sich Deutschland das noch länger leisten?