Derzeit wird in Hamburg – offenbar aus Gründen der Kostenersparnis – überlegt, die Vorschulklassen zugunsten einer stärkeren Kindergartenbetreuung abzuschaffen und die Primarschule nicht mehr flächendeckend einzuführen. Dabei brauchen wir für kleine Kinder eigentlich eine Institution, die in Skandinavien Vorschule heißt, die als Angebot für Einjährige beginnt, dann vom vierten oder fünften Lebensjahr an obligatorisch ist und für die die Eltern nichts mehr bezahlen müssen. Kleine Kinder lernen besser als große.
Ein früherer Beginn der schulischen Bildung schafft also mehr Bildungsgerechtigkeit. Das Gleiche gilt aber auch für längere Grundschulen, mit denen schwache Schüler nicht so früh abgekoppelt werden. Wenn Kinder länger zusammen lernen, steigt das Bildungsniveau insgesamt, und zwar ohne dass die leistungsstärkeren Schüler so etwas wie einen „Niveauverlust“ erleiden. Kein Wunder also, dass der Hamburger Schulleiterverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die Elternkammer vor Kompromissen bei der Einführung der sechsjährigen Primarschule warnen. Wenn eine längere Grundschule allen Kindern mehr nützt, weil sie voneinander lernen, warum sollen dann nur einige und nicht alle Hamburger Kinder davon profitieren?